Montag, 14. Dezember 2015

Neuer Job



Nein, ich bin nicht zwischenzeitlich verstorben und auch nicht in den Untergrund abgetaucht - auch wenn mir dies lieber wäre - um dort gegen den Kapitalismus zu kämpfen, während Pasota hier die letzten Wochen tapfer die Stellung gehalten hat. Nein, ich habe seit ein einiger Zeit einen neuen Job. Vollzeit. Auch wenn ich mir immer wieder vorgenommen habe zu bloggen, war ich abends oft einfach zu müde. Auch fehlte mir trotz vieler Gedanken und Ideen die richtige Inspiration. Ich hatte wirklich vergessen, wie sehr die Arbeit das Leben bestimmt. Besonders wenn man von Montag bis Freitag so festgelegt ist, dass das eigentliche Leben irgendwie ständig auf das Wochenende verschoben werden muss. Ich bin die letzte Woche nicht einmal dazu gekommen, ein Paket zu öffnen. Ein Paket! Jetzt stehe ich wieder vor der Herausforderung mir meine eigenen Freiräume zu schaffen, trotz Arbeit. 

Leider ist dies gerade in der Anfangszeit eines neuen Jobs ziemlich schwierig. Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit und einer (fast) völlig freien Tagesgestaltung, wenn man von den (Zwangs-) Maßnahmen des Jobcenters absieht, hin zu der totalen Durchstrukturierung des Lebens, ist schon eine ziemliche Umgewöhnung, an der ich zurzeit ziemlich knabbere. 

Auch muss ich mich erst mal an meine Tätigkeit und ihre Abläufe gewöhnen, besonders da ich in einem Bereich arbeite, in dem ich vorher so noch nie gearbeitet habe. Zuletzt im Buchhandel, lerne ich nun Büroabläufe. Dabei mache ich so allerlei interessante Erfahrungen. Besonders auf zwischenmenschlicher Ebene. Von Bürokriegen bis hin zur geheuchelten Dauergrüßerei auf den engen Fluren, muss ich mich erst mal, wie ein Forscher in diese neue Sozialstruktur einfinden. Während es früher ein Abmahnungsgrund gewesen wäre mein Handy auch nur kurz aus meiner Hosentasche zu ziehen, liegt das glänzende I-Phone in meinem neuen Job bei jedem Eingeborenen, Mitarbeiter neben der Tastatur. Wäre das Handy ein Neugeborenes, es könnte nicht zärtlicher und aufmerksamer umsorgt werden. Bei der kleinsten Regung, bei dem leisesten Geräusch wird es gleich in die Hand genommen, gestreichelt und bemuttert. 

Das wird nur ziemlich scheiße, wenn man neben sich einen neuen Mitarbeiter sitzen hat, der eingearbeitet werden will. Dieses Aufmerksamkeitsdefizit – also nicht gegenüber dem I-Phone, sondern mir gegenüber – geht sogar so weit, dass ich phasenweise dumm herum sitze und warte, bis das sinnlose Whatsapp-Gelaber endlich beendet wird. „Oh, guck mal, meine Schwester hat mir süße Hundebilder geschickt.“ „Ja, toll. Können wir bitte weiter machen. Ich bin in der Probezeit und möchte nicht fliegen, weil ich bisher nur kopieren kann.“ 

Besonders genervt hat mich, als gleich in den ersten Tagen eine Kollegin mit hysterischem Enthusiasmus durch alle Büro rannte, um die neuen Mitarbeiter in die offizielle Whatsapp-Gruppe einzuladen. Als ich sagte, ich hätte überhaupt kein Whatsapp löste dies totale Irritation aus. Das ganze Büro schwieg für ein paar Sekunden. Ich fühlte mich, als hätte ich gesagt, dass ich gerne Robbenbabys in meiner Freizeit keule. Und jetzt? Nichts. Ich bin sozial einfach ausgeschlossen. Fertig. Auf meine Frage, ob es denn auch andere Möglichkeiten gäbe. Zum Beispiel eine Telefonliste oder so was ganz altmodisches, lächelte die Kollegin noch verwirrter. Unglaublich, wie schnell ich in der Lage bin, die Menschen in absolute Hilflosigkeit zu stürzen. 

Bald bekomme ich in der Kantine einen Einzeltisch, als die komische Kollegin, die kein Smart-Phone hat. Das kann ja heiter werden.

Kommentare:

  1. Meine Erfahrung: Auch als Außenseiter wird man akzeptiert, wenn man sich nicht wie ein Arschloch benimmt. Manche mögen auch Außenseiter, bunte Tiere im Zoo und so.

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  2. Zunächst mal: Schön, dass du was finden konntest, hoffentlich was für dich Gutes und hoffentlich behältst du das auch.

    Das mit dem Smartphone-etc. (ich schreibe etc. weil es bei mir schon damit losging, dass ich Social Networks albern finde und deshalb "draußen" war)-Theater, kenne ich auch aus so Kontexten, aber diese Irritation wie du sie beschreibst aber eher von Frauen (und da auch privat, mir sind gefestigte Freundschaften kaputt gegangen weil Faruen auf mein Nein bezüglich What's App, Facebook etc. fast anfingen zu heulen, ungelogen. Wenn du ein Büro mit vorwiegend oder nur Frauen hast ist das natürlich schwierig (kenn ich, ich kam meist nicht klar, weil ich den Ablauf Lästern-Klamotten diskutieren-Privatkram breitreten-Facebook gestört habe, da ich nichts davon tue), aber möglicherweise gibt es bei dir ja männliche Kollegen und meiner Erfahrung nach sind die toleranter oder taugen wenigstens als Runter-komm-Kompagnions, wenn dir die Frauen zu viel werden. Gut, ich saß in der Kantine dann halt als einzige Frau am Männertisch (worüber auch wieder gelästert wurde), aber mit denen konnte man - in meinem Fall damals - reden ohne dauernd irgendein Gerät zwischen sich zu haben.

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  3. Liebe Ina,

    erstmal danke. :)
    Diese Unterschiede zwischen Männern und Frauen habe ich auch schon beobachtet. Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass die Lästerei und Tratschrei durch Whatsapp und co. befeuert wird. Kann es aber auch nicht genau sagen, da ich es ja nicht mitbekomme. Aber eigentlich bin ich auch froh, dass ich mich da irgendwie raus halten kann. Ständig bimmelt das blöde Handy bei den anderen und eben so oft schielen sie darauf. Bei den Männern ist das in der Tat nicht so extrem, auch wenn die natürlich mal drauf gucken. Das Handy ist heutzutage eben das Suchtmittel Nummer Eins, ohne welches die Menschen nicht mal mehr alleine aufs Klo finden. In ein paar Wochen werde ich mir das Büro mit einem Mann teilen. Mal sehen, wie das wird. ;)

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    1. Das kann sein, dass durch diese Sachen die Lästerei und Tratscherei noch mal befeuert wird. Ich kann das nicht so gut beurteilen, weil - da bin ich ganz ehrlich - ab dem Moment, an dem ich merke mein Gegenüber interessiert sich mehr für seinen Elektroschrott inklusive Freundschaftssimulator als für mich oder wer sonst noch als Mensch drum herum gerade Aufmerksamkeit wegen irgendwas braucht habe ich keinen Bezug mehr zu der Person und es beschränkt sich auf Begrüßung und Abschied. (Könnte natürlich daran liegen, dass für zu viele schon eine Welt zusammen gebrochen ist weil ich kein WhatsApp, Facebook, Twitter etc. mache. Running-Gags sind irgendwann nicht mehr lustig.)

      Ob das in einem Büro so funktionieren kann weiß ich nicht, vielleicht ist das auch in den Firmen verschieden, weil man eventuell auch noch achtgeben muss. Dass der/die Neue nicht "mitmacht", nicht für alle jederzeit zu erreichen ist etc. kann natürlich auch so gewertet werden, dass der/die eben nicht reinpasst und das ist dann natürlich problematisch bis negativ wenn man den Job behalten will. (Ich kannte es zumindest bisher so, dass die Kollegen, die den/die Neue/n einarbeiten sollten auch gefragt wurden vom Beurteiler/Abteilungsleiter/Chef, wie er/sie sich denn einfügt und ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Verfügbarkeit heute genau so ein Indikator dafür sein kann wie es früher einer dagegen war, wenn man sein Handy auf dem Tisch liegen hatte.)

      Vielleicht machst du ja andere Erfahrungen. Zu wünschen wäre es dir.

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