Sonntag, 14. Februar 2016

Eine Welt ohne Bargeld




Freitag saß ich mit Freunden beim Essen. Wir diskutierten darüber, ob man Geld abschaffen und durch Kartenzahlung ersetzen sollte. Mein erster Impuls zu diesem Thema ist ein klares „Nein“. Einfach aus dem Bauch heraus, fühlt sich dieser Gedanke, in einer Welt ohne Bargeld zu leben, überhaupt nicht gut an. Ein alter Bekannter sah dies ganz anders. Er zählte die Vorteile auf und wie sehr dies unser Leben vereinfachen würde. Er kommt aus der Hauptstadt. Gerade für die Touristen würde dadurch vieles einfacher. Sie könnten ihr Bahnticket direkt am Automaten mit Karte zahlen und müssten nicht beim nächsten Späti Geld wechseln.

Aber wäre es wirklich besser Bargeld oder auch nur Kleingeld abzuschaffen? Mir ist da nicht wohl dabei. Was spricht überhaupt dagegen alles so zu lassen wie es ist? Wir leben seit tausenden von Jahren mit diesem System und wir schaffen das auch noch die nächsten tausend Jahre. 

In einer Welt ohne Bargeld haben wir keine Kontrolle mehr. Wir sind dem Staat und den Banken auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Im schlimmsten Fall könnten sie einfach darüber entscheiden, ob wir Geld bekommen oder nicht. Gerade die Banken hätten die Instrumente dazu, die sie in jedem Fall einsetzen würden. Zum Beispiel durch die Erhebung von Negativzinsen. Wie gemeine Taschendiebe könnten sie von unseren Konten immer ein bisschen was absaugen. Wir wären völlig machtlos. Schließlich wäre unser Geld nur noch eine virtuelle Größe.
       
Außerdem würde jeder unsere Einkäufe registrieren. Selbst die letzten unter uns, die bisher noch tapfer ihrer Privatsphäre verteidigt haben, wären dann gezwungen alles offen zu legen. Wir wären gläserner Bürger, die wie Marionetten von Unternehmen und Banken gelenkt werden. Dumme Konsumenten, die überhaupt keine Beziehung mehr zu Geld hätten. Wir könnten keinen Flohmarkt mehr veranstalten und keinem Bettler mehr einfach ein paar Münzen in die Hand drücken.

Ich persönlich zahle sehr viel in Bar. Dies ist so eine Angewohnheit von mir, die damit angefangen hat, da ich tatsächlich früher eine Karte hatte, mit der man nicht zahlen konnte. Dann war ich viele Jahre schlicht und ergreifend zu arm, um mir diesen unverschämten Luxus zu leisten, der Kassiererin meine Karte unbekümmert entgegen zu schmeißen. Ich hatte ein Tageslimit, das ich selten überschritten habe. War in meinem Portemonnaie Ebbe war eben Schluss mit Ausgeben.

Wie seht ihr das? Ist es in unserer globalisierten Welt einfach der nächste logische Schritt das Bargeld abzuschaffen, weil wir doch durch das Internet und unsere Handy eh nur noch den ganzen Tag im Netz abhängen? Oder wäre dies endgültig das Ende unserer Freiheit?

Kommentare:

  1. Wenn Schäuble seine Narrenkappe aufbehält und die AfD in ihr Wahlprogramm "der deutsche Sparstrumpf ist sicher" schreibt, dann segeln die mit 25% in den Bundestag. Und der Ex-Finanzminister genießt die schöne Aussicht auf seinen Garten. Er ist eben Jurist, vielleicht meint er es sogar gut. Das waren stets die Allerschlimmsten.

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  2. Oh toller Post. Nein um gottes Willen bloss nicht abschaffen. Ich zahle auch viel in bar. Da habe ich viel mehr die Übersicht. Ich wünsche dir einen tollen Abend. Lg Sandra

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    1. Danke. 😊 Ich glaube, wenn genau diese Möglichkeit zur Übersicht fehlt, werden sich auch automatisch immer mehr Menschen verschulden. Aber ich befürchte, dass dies auch so von den Banken und der Wirtschaft so gewollt ist, damit wir schön abhängig bleiben.

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  3. Eine komplette Abschaffung wird es natürlich vorerst nicht geben. Das würde einfach zuviel Protest und Widerstand erzeugen. Aber wie man hier sehen kann, gibt es derzeit vor allem im Süden Europas schon Bargeld-Obergrenzen. Es wird in Deutschland scheibchenweise passieren. Zunächst kommen die Obergrenzen, dann wird das bargeldlose Zahlen attraktiver gemacht, es wird viele Artikel und Beiträge darüber geben, wie "kriminell" doch Bargeld sei und so weiter. Wozu Zwang und Macht ausüben, wenn ein Großteil der deutschen Schafherde ihre Freiheit auch gerne freiwillig abgibt? Schon jetzt zahlen sehr viele mit Karte, nutzen Payback, die etlichen Kundenkarten, smartphone-App´s, Facebook etc. Überall kann man heute schon kinderleicht Daten absaugen.

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  4. Du hast eigentlich schon alles gesagt. Kein Bargeld mehr – totale Kontrolle. Das gibt ja nicht nur Banken und zum Beispiel Ämter den Schlüssel zur wirklich letzter Tür und letztem Tor in die Hand. Stell dir vor, ein JC sieht anhand der nach Kartenzahlung an ihn übermittelten Daten, dass beispielsweise ein ALG II-Empfänger jede Woche drei Päckchen Kippen zahlt, JC denkt sich seinen Teil, sanktioniert den Mensch wegen ungesundem Lebenswandel und Geldverschwendung. Dass die drei Päckchen Kippen vielleicht Bezahlung für die Leute sind, die ihm seine Wohnung wieder so herrichten, dass er keinen Stress mit dem Vermieter bekommt weil er sich sonst der Verpflichtung zu Schönheitsreparaturen „entzieht“ und rausfliegt sieht das System nicht. Ebenso Krankenkasse, wenn jede Transition eines Versicherten aus einer Apotheke gemeldet wird, gibt es ganz schnell irgendwelche internen Kriterien zum Auswahlverfahren und derjenige, der nicht „genug tut“ um gesund zu bleiben fliegt… Deren Beispiele gibt es viele. Für mich wirft es aus persönlichen Gründen auch die Frage auf was ist mit den Leuten, die nicht selber über ihr Geld verfügen können oder dürfen? Werden die dann komplett mittellos? Wie soll zum Beispiel ein gesetzlicher Betreuer bei Kartenzahlung nachvollziehen können was sein Klientel wann wie und wo ausgibt wenn er nicht dauernd nebenher dackelt? Muss der dann vielleicht am Computer die ganze Zeit Big Brother spielen? Das nimmt den Leuten doch noch den letzten Rest Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl. Ich würde zum Beispiel, würde man mir die finanziellen Angelegenheiten übertragen, weder wissen wollen noch jedes Mal absegnen müssen wenn meine Mutter sich eine Cola kauft oder so was. Abgesehen kann so jemand ohne Bargeld gar nicht lernen mit Geld umzugehen, so eine Karte ist was abstraktes und das mit der höheren Schuldengefahr hast du ja schon angesprochen. Bei jemandem, der sich generell überschuldet ist das dann noch mal drastischer.

    Ich finde die Vorstellung erschreckend. Ich hoffe, ich erlebe die totale Abschaffung nicht mehr. Obwohl die, weil so viele freiwillig mitmachen, schneller kommen könnte als wir denken.

    Ich habe in meinem Leben noch nie etwas mit Karte bezahlt, ich weiß noch nicht mal so genau wie das System funktioniert. Ich brauche das Gefühl, dass ich genau weiß was ich da mache. Und bei Kartenzahlung hätte ich es nicht. In meiner Geldbörse kann ich nachzählen wie viel von dem was ich dann und dann geholt habe noch habe.

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  5. promenadenmischnung15. Februar 2016 um 19:32

    Selbst in einer Bar zahle ich noch bar – un so soll dat bleiben!

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