Montag, 25. Mai 2015

Beziehungsbullshit


Beziehungen lösen keine Probleme, wirklich 0,0 Probleme. Wer einsam ist, ist in den meisten Fällen einsam, weil er sich selbst keine gute Gesellschaft ist und nicht, weil er keine gute Gesellschaft (keinen guten Partner) hat. Wer sich selbst nicht Liebe und Zuwendung entgegen bringen kann, wird auch nicht aufrichtig Liebe empfangen und geben können. Wer sein Leben als sinnlos empfindet, wird durch eine Beziehung nicht auf einmal das Ei des Columbus und das Geheimnis des Lebens entdecken. Wer Depressionen hat, wird von diesen nicht dadurch geheilt, dass man jemanden hat.



Wie so viele andere auch war und bin ich der „Erlösungslüge“ aufgesessen, die Christiane Rösinger in ihrem Buch „Liebe wird oft überbewertet“ als eine der stärksten Mythen in Bezug auf Beziehungen beschreibt: nämlich der Glaube daran, dass Beziehungen einen blitzfix von sämtlichen Krisen und existenziellen Fragestellungen befreien und alle anderen persönlichen Bedürfnisse des Menschen quasi in Luft auflösen.



Diese Überzeugung, dass man ja nur DEN oder DIE Richtige/n finden (und halten) muss, um endlich glücklich zu werden, erleichtert und erschwert das Leben gleichzeitig, und zwar enorm, in beide Richtungen. Erst einmal ist es ungemein erleichternd, wenn man sich das ganze Grübeln, Hadern und kritische Hinterfragen ersparen kann, da man die Endlösung für Alles schon parat hat: das Auffinden und Anbandeln mit dem „perfekten“ Beziehungspartner, der jetzt aber mal flugs für Ordnung und Zufriedenheit sorgt. Jedoch muss man auch diesen vermeintlichen „Erlöser“ auf Leben und Tod in der Beziehung halten, was Druck, Angst, Abhängigkeit, Eifersucht, Ohnmacht und andere, unschöne Gefühle erzeugt. Und das nennt man dann „Liebe“. „Weil Liebe ja schmerzhaft sein muss“.



Wie heißt es: „Ich brauche dich“ ist das Gegenteil von „Ich liebe dich“.



Ein guter Zeitpunkt, um anzufangen, für sich und seine Probleme Eigenverantwortung zu übernehmen und nicht darauf zu hoffen, dass das jemand anders für einen tut (professionelle Hilfe nicht mit inbegriffen).

Kommentare:

  1. Volle Zustimmung!

    Meine ganz persönliche Erfahrung ist aber, dass so ein Denken häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt ;-) Männer sind da häufig einfacher gestrickt ;-) Und wenn der große Erlöser-Traum-Mann, dann doch keinen Sinn im Leben spendet, die eigenen, hausgemachten Probleme nicht durch seine Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit weggezaubert werden, dann wird erst gezickt bis der Arzt kommt, es gibt dutzende "klärende Gespräche", dann wird mit den Freundinnen über ihn gelästert (was er so alles falsch macht, wie man ihn am besten "ändern/erziehen" kann etc.) und am Ende wird sich getrennt und die gaaaaanz große Enttäuschung folgt. Schuld sind am Ende immer die bösen, bösen Männer. Selbstreflektion gibt es hier null. Ich will garantiert nicht verallgemeinern (ich habe eine ganz tolle Freundin, die nicht so ist^^), aber ich habe das selbst oft genug erlebt und sehe/erlebe das genau so bei vielen Freundinnen, Bekannten und weiblichen Familienangehörigen.

    Richtig ist und bleibt, wer mit sich selbst nicht klar kommt, sich selbst nicht mag, keine Interessen, Leidenschaften und Hobbys hat, sich selbst nicht reflektieren kann und will - der/die wird weder als Beziehungspartner, noch als Erziehungsberechtigter sein Seelenheil finden. Stattdessen werden alle eigenen "Defizite" mitgenommen und übertragen: in der Liebe genauso, wie auf die eigenen Kinder.

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  2. Ich stimme euch beiden zu. Habe ich allerdings wie auch Epikur bis dato eher an Frauen gemerkt. Bin hin dazu, dass der Mann "zum Psychiater" muss weil er nicht wie gewünscht funktioniert. In meinem Bekannten- und Familienkreis bin ich dann immer die Böse, die sich "auf die Seite der Männer schlägt", weil sie da nicht mitmacht und auch nicht einbezogen werden will. Ich finde, dass man dfas untereinander klären muss. Ich habe auch schon extrem leidende Männer erlebt und die haben sich auch vorher nicht unbedingt immer "perfekt" verhalten, aber von denen hatte weder einer den Anspruch die Auswählte müsste die innere Leere füllen noch haben die hinterher so ein Fass mit Kriegspielen aufgemacht. Damit will ich jetzt nicht meine Geschlechtsgenossinnen diffamieren, aber es fällt doch auf. (Wird ja auch gesellschaftlich noch gefördert, auch durch Pop-Kultur, beliebte Romane etc., die Frau identifiziert sich über ihren Mann und wenn der ihre Selbstaufgabe aus irgendwelchen Gründen nicht will oder nicht honoriert, dann ist er das Böse um das man sich nur noch mehr bemühen muss, denn man kann ihn ja "heile" machen.)

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  3. Ich empfinde das genau wie ihr, dass es sich eher um ein "Frauenproblem" handelt. Singlefrauen wird Mangelhaftigkeit und Unvollständig eingeredet, wenn sie in keiner Beziehung sind. Dass es sich dabei durchaus um eine bewusste und freiwillige Entscheidung handeln könnte, kommt gar nicht in Betracht. Ich habe den Eindruck, dass Männer dann mal eher einen auf "coolen, unabhängigen Lonewolf" machen können, ohne dass ihnen gleich Einsamkeit und Unzufriedenheit unterstellt wird.

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