Freitag, 12. Juni 2015

Noch ein überflüssiger Blog - Metagedanken




Als Pasota und ich beschlossen, dass wir einen Blog gründen wollen, dachte ich natürlich auch über den Nutzen dieser Sache nach. Obwohl der Blog als solches in Deutschland lange nicht so etabliert ist, wie etwa in Amerika, wo es eine Menge Berufsblogger gibt, so gibt es letztlich doch auch hier genug davon. Weshalb also noch weitere Gedanken und Worte in die Unendlichkeit des Nichts schicken, Worthülsen, Dinge, über die nun wirklich schon jeder gesprochen hat, nur um zu hoffen, dass dies irgendwer liest? Haben wir es echt so nötig? Haben wir überhaupt etwas Gewichtiges zu sagen? Hat der Kram irgendeinen Nährwert oder ist alles schon so oft durchgekaut worden, dass es null Mehrwert mehr hat?

Ich erinnerte mich an ein Seminar in Mediävistik aus meinem Germanistikstudium. Mein Professor sprach über die Nennung und Reflexion der eigenen Person in der mittelalterlichen Lyrik. Der Autor spricht über sich selbst, erzählt etwas von sich. In unserer Zeit ist dies absolut nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil. Oft beklagen wir uns eher darüber, dass jeder Z-Promi demnächst ein Buch herausbringen will und die Trolle eine Spur der Verwüstung in jedem Forum und jeder Kommentarfunktion hinterlassen.

Aber im Mittelalter war kostbares Papier, das mühsam mit der Hand beschrieben und nur von wenigen überhaupt gelesen werden konnte, den Heldenliedern und christlichen Themen vorbehalten. Ein Autor, bzw. eine Person, die über sich und ihre Ansichten schrieb, war extrem selten. Selbst die Liebeslyrik, die den Eindruck erweckt, da spricht jemand über sich und seine Gefühle, war weit davon entfernt, das echte, authentische Fühlen und Erleben des Autors widerzuspiegeln. Eher folgte er der Mode seiner Zeit und orientierte sich daran, was als schön und schick galt und sich gut zur Unterhaltung vor einer größeren Zuhörerschaft vortragen lies. In mancher Hinsicht, ist die heute vielleicht noch genauso.

Eine eigene Stimme in dieser lauten Welt

Für mich bedeutet Bloggen daher in erster Linie, eine eigene Stimme zu haben. Ob diese einen Mehrwert für die Allgemeinheit hat, ist für mich persönlich zweitrangig. Es muss jeder, der unseren Blog liest, für sich entscheiden, ob er für sich etwas daraus ziehen kann und vielleicht sogar seine eigenen Gedanken dazu formulieren möchte. Wir versuchen auf die Qualität unserer Texte zu achten und nicht ohne Sinn und Verstand herum zu schwafeln. Der Blog ist eine Möglichkeit sich auszuprobieren. Er hat definitiv Entwicklungspotential.

Nun bin ich leider kein Medien- und Marketingexperte, (Pasota leider auch nicht – sorry Pasota ;)) und deshalb wird unser Blog wahrscheinlich auch so vor sich hin dümpeln. Unsere Reichweite beschränkt sich bisher ja ungefähr auf ein Scheinwerferlicht in der Dunkelheit. Trotzdem stellen wir immer wieder an unseren Kommentaren fest, dass einige Leser sich schon ein paarmal öfter zu uns verirrt haben. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Was mich aber manchmal sehr irritiert, ist, dass nicht wenige Klicks aus den USA stammen. Da spekuliere ich noch ziemlich herum, weshalb das so ist. Vielleicht die NSA?!

So, jetzt bist du dran, lieber Leser! Hältst du bloggen für sinnvoll und wenn ja, beziehungsweise nein, weshalb? Ich bin gespannt auf deine Gedanken.

Kommentare:

  1. Die Frage(n) habe ich mir seit Anfang des Jahres auch gestellt. Damals kam ich auf den Gedanken, ich könnte doch einige Themen aus meinem per Email stattfindenden Austausch mit anderen Künstlern für einige mir bekannte Leute, die nicht in diesem Austausch dabei sind, aber dennoch Interesse an den Themen haben in Blogform sammeln. Es wäre also nicht sinnfrei gewesen. Abgesehen davon, dass so was ja auch nicht immer Sinn haben muss, denn für denjenigen, der es jeweils macht wird es schon einen haben. Dann ging es los bei mir, dass ich mich fragte welche von den ganzen vielen Themen, die die am Rande mitbekommen hatten nehme ich jetzt. Ich hatte zunächst vor, das auf diese spezielle Gruppe zuzuschneiden, hätte man ja auch passwortgeschützt anbieten können zum Beispiel. Dann kam mir aber immer wieder was dazwischen, unter anderem auch, dass ich vor einigen Jahren schon mal ein Blog hatte und am Ende aber so ausgepowert war, dass ich es löschte. Es gab zwar fast nur Stammkommentatoren, aber die Diskussionen gingen teilweise so weit, dass ich eine Stunde oder länger damit beschäftigt war täglich alles zu beantworten. Gute Leute, keine Frage, hat auch Spaß gemacht, aber ich war am Ende fertig, weil ich sowieso niemand bin, der viel online ist oder macht. Es hat also auch zu viel Zeit gefressen. Und so will ich das nicht mehr. Das nächste war, dass ich eigentlich keine Monothematik wollte und wenn ich über das Künstlersein spreche, dann spreche ich über meins und das liest sich nicht so wie man das gewohnt ist. Ich stelle mich nicht hin und sage „Ich bin Künstler“, ich erzähle nicht von Markt oder Akademie, zeige Fotos oder Techniken, was klassische Kunstblogs halt so tun. Wollte ich auch nie. Im Gegenteil, ich wollte das eigentlich trennen. Dann gab es da noch einen Bereich, wo ich gemerkt habe, da ist es vielleicht sogar wichtig, dass mal eine/r von erzählt, denn da gibt es nicht so vieles oder eben nur fachlich und wenn persönlich, dann wertend. Bei mir beeinflusst dieser Bereich auch die Kunst (und andersherum), da ich aber nicht glaube, dass man diesen Bereich einfach so erzählen kann, musste ich also überlegen, wenn ja, wie mache ich das.

    Letztlich habe ich eine Methode gefunden und ich baue so ein bisschen, aber ich merke auch, dass es mir schwerfällt mit den Artikeln. Es wird nur selten was kommen, dafür aber was durchdachtes, und ich lege es auch gar nicht erst auf Reichweite an. Das will ich gar nicht mehr. Derzeit wissen davon zwei Leute und so lange ich noch baue ist das völlig in Ordnung. Wenn es mir optisch gefällt, kann ich mal irgendwo einen Link dorthin lassen, wenn ich meine, dass es passt und wenn es dann außer diesen zwei Leuten und denen für die es ursprünglich gedacht war/ist noch wer sieht und vielleicht sogar mehrmals kommt oder kommentiert, dann ist es okay und ich freue mich. Werbung oder „Marketing“ für das Ding – bei mir nicht.

    Ich halte euren Blog nicht für überflüssig. Ich weiß bloß nicht zu jedem Artikel, der mir gefällt oder mir einen Denkanstoß gibt was zu sagen. Anderen geht es vielleicht ebenso, so dass nicht so viel Kommentariat reinkommt.

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  2. Ich blogge seit gut sieben Jahren und wundere mich immer wieder, dass mir nicht die Ideen ausgehen ;-) Klar, man wiederholt sich ein wenig und hat so seinen ganz spezifischen Blick und hat seine eigenen Themen und Interessen. Für mich ist das ein riesengroßer semantischer, kreativer Spielplatz, der nebenbei auch für die eigene Seelenhygiene sorgt. Und natürlich freut man sich über Kommentare und/oder wenn man Menschen zum Nachdenken bringt.

    Dennoch: ich habe schon einige gute Blogger kommen und wieder gehen sehen. Man sollte den eigenen Anspruch -also mit dem was man erreichen will- gering halten und die eigene Energie gut einteilen können. Zuviel Idealismus mündet irgendwann in Frust und Zynismus oder man wirft dann eben alles hin, weil die Welt nicht so will, wie man will. Wer Veränderung will, braucht einen sehr langen Atem und viel Ausdauer.

    Und eure Reichweite kommt irgendwann von ganz alleine. Vernetzt euch, kommentiert woanders (mit Link zu eurem Blog) und schreibt tolle Artikel (macht ihr ja schon^^). Wir haben durchschnittlich 400-500 Leser pro Tag und ihr seht ja selbst wieviele dann kommentieren. Die meisten lesen still mit. Oft auch, weil sie zustimmen. Startet doch mal den Versuch und schreibt etwas kontroverses oder weil ihr ja zu zweit seid, einen Pro/Contra Artikel, wo jeder eine Seite einnimmt. Ich habe die Erfahrung gemacht, je provokativer der Artikel, desto mehr Kommentare :D

    Macht weiter so, ich lese gern hier!

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  3. Danke für dir guten Hinweise! Werden wir uns zu Herzen nehmen. :)

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  4. Auch von mir Danke für euer nettes Feedback. Ich bin häufig auch eher die stille Leserin. Ist ja auch Unsinn zu allem krampfhaft seinen Senf dazu geben zu wollen. Trotzdem wäre es natürlich schön ein bißchen nachvollziehen zu können, wer die Leser überhaupt sind. Ich bin da eben auch neugierig. Kommen die öfter oder haben die sich nur verirrt und klicken schnell wieder weg? Teilweise gibt es Klicks aus Schweden und Taiwan. An manchen Tagen gibt es mehr Klicks aus dem Ausland, als aus Deutschland. Total seltsam.
    @epikur Das mit dem Pro und Kontraartikel hatten Pasota und ich tatsächlich schon mal ins Auge gefasst. ;)

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    1. Ich kann nur für mich sprechen: Ich hab euch im Reader und wenn ich sehe, da ist was neues, dann komme ich und sag's auch weiter, wenn ich denke, dass der jeweiligen Person eure Blog gefällt. Eure Auslandsklicks (wie bei anderen Leuten auch) könnten, vermute ich, daher kommen, dass eurer Blog-Service (wie bei wordpress auch) ein Internationaler ist und wer weiß in welchen ausländischen Suchmaschinen ihr auftaucht. Allein der Wortteil "revolution" ist sehr international. Nur eine Theorie meinerseits, weil es bei einer mir bekannten Wordpress-Nutzerin so sehr wahrscheinlich auch war (hat sie jedenfalls als Grund ausgemacht.)

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  5. Es gibt diese Szene aus Woody Allens "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko", wo sich die russischen Dorftrottel zu ihrem jährlichen Treffen unter dem Banner „Welcome Idiots" versammeln. Jeder braucht einen Ort. Und das Netz ist so ein Jeder-Ort. Darum sind wir alle hier. Mit unseren Wörtern, Gedanken, Selfies, Häkelsachen, Karriereversuchen, Rezeptideen, Reiseberichten, Beichten, Urteilen, Beschwerden, Weltverbesserungen... Ich hab kein gutes Gefühl bei der Sache, auch weil ich so ungezwungen zwanghaft immer wieder meinen Weg darein finde. Ich muss oft an Pawlow denken, dass wir uns zu etwas konditionieren, was wir am Ende so gar nicht mehr haben und aushalten wollen. Es ist wie mit dem Planeten. Der Mensch hat einige Vorstellung vom Paradies, aber am Ende scheißt er's doch nur zu und ärgert sich drum, dass es zum Himmel stinkt.

    Aber Dümpeln, das hat doch was. Da denk ich an ein Ruderboot auf dem See, Sommerlicht, Menschen mit Hut, Ruhe in der Seele. Und alles, was anderswo ist, ist eben anderswo.

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  6. promenadenmischung8. August 2015 um 17:06

    1. Man soll sein Licht nicht unter einen Scheffel stellen.
    2. Jedes Kerzchen in der allgemeinen Finsternis geht zu Herzen.
    3. Eigens dafür wurde das Internet erfunden.

    Schön, dass es Euch und Euresgleichen trotz Allem immer noch gibt!

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