Samstag, 28. März 2015

You’re not perfect. And that is perfectly fine



Jetzt mal Hand aufs Herz. Machst du gerne Fehler? Nein?! Ich auch nicht. Aber warum eigentlich nicht? Was ist so schlimm an Fehlern? In der Schule haben die anderen Mitschüler getuschelt, wenn wir uns verlesen oder verrechnet haben. An der Tafel sind wir rot angelaufen, weil wir fürchteten, dass die Inhalte in unserem Referat falsch sein könnten. Nicht das jemand unangenehme Fragen stellt. Eltern und Lehrer haben uns ständig korrigiert, in den Dingen, die wir angeblich nicht können. Später gab‘s vom Chef einen auf den Deckel und die Kollegen verdrehten die Augen, weil wir ein paar Zahlen in ein Formular falsch eingegeben haben. Das geht eigentlich das ganze Leben so weiter. Manchmal höre ich Sprüche von Fremden und auch Freunden, wie etwa: „Was?! Das weißt du nicht? Das solltest du aber wissen.“ Und wer legt das fest? Wer legt fest, was ich zu wissen und zu können habe? Du etwa?
Die Erwartungen der anderen engen uns ein. Manchmal kann es sogar so schlimm werden, dass sie uns völlig handlungsunfähig machen. Nicht wenige Menschen empfinden die Angst vor dem Scheitern. Da wollen wir uns vielleicht beruflich umorientieren oder eine Weltreise machen. Doch wir zögern lange und mögen uns nicht recht entschließen. Ein fernes Echo aus vergangenen Zeiten dringt zu uns vor. „Das ist doch alles viel zu schwer. Wenn du scheiterst, dann sag nicht, ich hätte es dir nicht gesagt.“ Entscheidungen, die bei näherer Betrachtung gar keine so weitreichenden Konsequenzen haben, werden durch die Möglichkeit des Scheiterns stark aufgeladen.

Unserer Gesellschaft hat das Spielerische verloren, wenn sie es denn je gehabt hat.

Besonders gut kann man dies bei Unternehmensgründern beobachten, die mit ihrem Geschäft gescheitert sind. Anstatt in ihnen das Potential einer gereiften Persönlichkeit zu sehen, die aus ihren Fehlern gelernt hat, werden sie von Arbeitgebern einfach als Loser abgestempelt, die es nicht geschafft haben. Entweder du schaffst es auf Anhieb erfolgreich zu sein oder Gnade dir Gott – oder so ähnlich.
Viele flippen sofort aus oder werden nervös, wenn andere Fehler machen. Unsere Gesellschaft ist oft geradezu panisch in ihren Präventionsmaßnahmen, nur um Fehler zu verhindern. Unglücklicherweise führt dieser Mangel an Gelassenheit und Flexibilität häufig genau zum Gegenteil. Ärzte vertuschen ihre Kunstfehler und Ingenieure verschweigen den Konstruktionsfehler der neuen Autobahnbrücke bis auch das letzte Auto in den Fluss gestürzt ist. Gerade im beruflichen Bereich werden wir regelrecht zum Vertuschen und Lügen angestiftet, nur um den allgemeinen Schein, man sei ein fehlerloser Mitarbeiter aufrecht zu erhalten.
Eine meiner Lieblingsgeschichten zum Thema Fehler und Scheitern ist die von Thomas Edison. Als fleißiger und emsiger Erfinder versuchte er sich an vielen Dingen. Er hat die Glühbirne zwar nicht ganz als erster erfunden, wie ich lange glaubte, aber das spielt ja auch keine Rolle. Was mich beeindruckt, ist, dass er unbeirrt versucht hat, die Glühbirne so zu perfektionieren, dass sie schließlich zu einem unverzichtbaren Gegenstand in jedem elektrifizierten Haushalt wurde. Er testete weit über 1000 Materialien, um den passenden Glühfaden zu finden und ohne zu wissen, ob es ihm gelingen wird. Von ihm stammt auch der wunderbare Satz:

„Ich bin in meiner Karriere nie gescheitert. Ich habe nur 10 000 Wege gefunden, die nicht funktionierten.“

Wir übersehen nur zu gerne, dass die Helden, die wir für ihre Erfolge feiern oft einen langen, steinigen und ziemlich frustrierenden Weg hinter sich haben. Wir wollen nur die strahlende Rüstung sehen und nicht die ganzen Blessuren und Zweifel, die sich dahinter verbergen.
Dabei führt die Akzeptanz von Fehlern zu mehr Gelassenheit und damit auch zu weniger Fehlern. So paradox ist das Leben eben. Oder hast du schon mal ein Baby gesehen, dass nicht laufen lernen wollte, weil es Angst hatte hinzufallen? Spielen, Ausprobieren, immer wieder neu versuchen, all dies führt nicht nur zu kreativen Lösungen für ein Problem, nein, es schafft auch ein ganz neues Miteinander. Kinder, Jugendliche oder auch junge Erwachsene können nicht lernen oder zu verantwortungsvollen und weitsichtigen Erwachsenen heranreifen, wenn sie keine Fehler machen dürfen.
Mein Freund erzählte mir von einem Schmetterling, der, wenn man ihm dabei helfen würde sich aus seinem Kokon zu befreien, sterben würde. Ihm würden dann die Muskeln fehlen, die er sich bei dem anstrengenden Kraftakt, sich heraus zu arbeiten aufgebaut hätte. Somit kann er nicht fliegen und damit auch nicht auf Futtersuche gehen. Ein schreckliches Schicksal in der guten Absicht ihn vor dem Scheitern zu bewahren.
Interessanterweise haben wir so manchem Fehler sogar die größten Errungenschaften zu verdanken. Man denke nur an die Entdeckung des Penicillins. Was wäre gewesen, wenn Alexander Fleming gedacht hätte:  „Boah, bin ich blöd. Jetzt hab ich die ganzen verschimmelten Bakterienkulturen hier rum stehen lassen. Die wasche ich jetzt mal schnell ab, bevor jemand merkt, dass ich diesen Fehler gemacht habe.“ Eben.
Da mein Freund nicht nur klug, sondern auch ein wandelndes Sprichwörter- und Zitatenlexikon ist, erfreut er mich auch gerne mit folgendem Zitat, mit welchem ich meinen geneigten Leser in den Abend entlasse:

„Ein Experte ist jemand, der auf einem Spezialgebiet alle denkbaren Fehler bereits gemacht hat.“ Niels Bohr, Nobelpreisträger für Physik

Kommentare:

  1. Hallo ihr beiden! Bin grade über Epikur zu euch gestoßen und les mich grade ein und was ich lese, gefällt mir gut :)

    Eine technische Anmerkung/Anliegen hätte ich allerdings: Das Design ist interessant, geht aber zumindest bei mir sehr zulasten der Lesbarkeit. Weiß auf Schwarz ist generell schwer lesbar und längere Texte sind da für die Augen eine echte Tortur. Und auch das Prinzip statischer Hintergrund/beweglicher Text macht mir das Lesen zusätzlich schwer. Vielleicht ist's das Alter - ich bin jetzt auch schon jenseits der 30… ;)

    viele Grüße
    Julia

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  2. Hallo Julia,
    erstmal lieben Dank für dein Lob und natürlich auch für deine Kritik. :) Ja, das mit dem Design beschäftigt mich auch schon länger. Bei Blogger gibt es ja einige Standard-Layouts und dieses hatte uns bisher am besten gefallen. Aber das mit der Leserlichkeit ist wirklich so eine Sache. Wir müssen mal schauen, was wir da machen können. Was das technische betrifft, sind wir nämlich leider totale noobs und wissen nicht so recht, wie wir das so individuell gestalten können, dass alles passt. :D

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  3. Oh wow - hab jetzt länger nicht hier reingeschaut; und was seh ich jetzt? Alles so lesbar hier :) Toll, noch ein Grund mehr, öfters hier reinzulesen :)

    Gruß Julia

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