...und er liebt ihn immer noch, den großen Auftritt. "Bumping Ben" ist nach einem fünfzehnjährigen Tief wieder auf der Bildfläche erschienen und zwar mit nicht weniger als einem autobiographischen Bestsellerroman mit dem Namen "Panikherz". Vor einigen Tagen kam er dann ins ausverkaufte Zakk in Düsseldorf, um vor knapp 400 Leuten, die schon sehnsüchtig auf Neuigkeiten vom gefallenen und phönixartig wiederauferstandenen Popliteraten der späten 90er/frühen 2000er warteten, zu lesen.
Die Eckdaten seiner Karriere und vorallendingen seiner Verfehlungen dürften Dank einer ausführlichen medialen Aufbereitung noch Einigen in Erinnerung sein. Auf's allerkürzeste heruntergebrochen: Anfang 20 riesige Erfolge als Schriftsteller und Musikjournalist, Ruhm, große Klappe, Shitstorms, Bulimie, Kokainsucht, Alkoholmissbrauch, zahlreiche gescheiterte Klinikaufenthalte und Therapien, immer dabei das musikalische Idol Udo Lindenberg, der letztendlich auch die Rolle des Retters einnimmt.
Nun hatte er nach 9 Jahren des clean-Seins die nötige Energie und Ordnung im Kopf, um alles, was zwischen Geburt und Gegenwart geschah, auszuformulieren. Und das, ohne einen prätentiösen oder larmoyanten Ton anzuschlagen. Noch immer weiß Stuckrad-Barre seine Leserschaft mit scharfsinnigen, ironischen, klugen und lustigen Betrachtungen zu begeistern; auch wenn es diesen mittlerweile an dem für BvStB eigentlich charakteristischen bitterbösen Zynismus (den ich in seinem Erstlingswerk "Soloalbum" so liebe) fehlt. Eine Vielzahl an Songzitaten, Anekdoten aus dem Showbiz und kulturellen Intertextualitäten verhindern, dass der Autor mit seiner bisweilen wirklich sehr dramatischen Lebensgeschichte in einen mitleiderregenden Betroffenheitsduktus abgleitet, der das Buch wirklich peinlich gemacht hätte.
Vorgestern Abend versprühte er, als wäre es nie anders gewesen, seinen liebenswerten Charme und nahm sich im Anschluss Zeit für persönliche Gespräche mit Fans. Und die Stagediving-Aktion im bestuhlten Saal ließ er sich natürlich nicht nehmen. Wir seien ja schließlich nicht bei Durs Grünbein im Goethe-Institut.
Rezensionen, egal ob über Bücher oder
Veranstaltungen sind hier auf dem Blog in der Regel nicht ganz so beliebt.
Eigentlich schade. Dabei stecken wir immer ganz besondere Mühe in diese Posts.
Auch heute möchte ich wieder über ein
Buch schreiben, dass mir sehr am Herzen liegt. Obwohl ich mit Vorbildern
eigentlich nicht viel am Hut habe, gibt es doch ein paar Menschen, deren Art
und Meinung ich sehr respektiere und denen ich einfach gerne zuhöre. Elisabeth
Gilbert gehört eindeutig dazu. Gerade als Frau finde ich es immer wieder
schwierig, Frauen in der Öffentlichkeit zu finden, die mich inspirieren und die
ich schätzen kann. Leider muss ich dazu sagen, hat die Geschichte nur wenig
Frauen hervor gebracht, die meinen Maßstäben genügt hätten. Fairerweise muss
ich aber hinzufügen, dass es auch nicht besonders viele Männer gibt, von denen
ich sagen würde, dass sie mich inspirieren.
Aber zurück zum Buch oder viel mehr zur
Autorin. Einige kennen sie vielleicht von ihrem Weltbesteller „Eat, Pray, Love“,
welcher auch mit Julia Roberts in der Hauptrolle verfilmt wurde. Wahrscheinlich
hören spätestens hier schon einige augenrollend auf zu lesen. War das nicht
dieser Film, wo eine Frau auf einem Selbstfindungstrip durch drei Länder reist?
Gähn.
Doch man sollte da nicht vorschnell
urteilen. Ich habe bereits einige ihrer Bücher gelesen und schätze ihre
bodenständige, natürliche und witzige Art. Sie hat die seltene Gabe in einem
hinreißenden Plauderton, leicht und selbstironisch über sich und ihre
Erlebnisse zu fabulieren und dabei weder Tiefe, noch Echtheit vermissen zu lassen.
Sie ist eine Frau, die sowohl Frauen, als auch Männer gern zum Kumpel hätten.
by preussicher Widerstand
Ihr aktuelles Buch „Big Magic“ hat sie dem
Thema Kreativität gewidmet. Sicher ist
dies ein sehr spezieller Bereich, von dem sich nicht jeder gleich angesprochen
fühlt. Obwohl ich aus einer Familie mit kreativen Ambitionen stamme, zähle ich
mich selbst eigentlich nicht zu dieser besonderen Spezies des kreativen
Menschen. Dies liegt auch daran, dass ich bislang eine ziemlich eng gefasste
Definition von Kreativität hatte. Spätestens nach der Lektüre dieses Buches habe
ich aber begonnen diese zu überdenken.
Kreativität gehört zum Wesen des Menschen
Der Grundtenor dieses Buches ist, dass
Kreativität grundlegend im Wesen des Menschen verankert ist. Ohne diese wäre es
dem Menschen aller Wahrscheinlichkeit nach, überhaupt nicht gelungen so lange
zu überleben. Erfindungsreichtum, Leidenschaft, Phantasie – all diese Dinge
machen uns als Menschen aus und wir werden ausnahmslos alle damit geboren.
Sicher bedeutet dies nicht, dass wir
alle Da Vincis oder Picassos werden. Aber auch hier stellt Gilbert die
berechtigte Frage, wer eigentlich festgelegt hat, dass unsere Kreativität nur
dann ausgelebt werden darf, wenn sie Dinge hervorbringt, die Geld und Ruhm
einbringen. Besonders in unserer leistungsorientierten, effizienzfixierten
Welt, wird gerne alles auf Nützlichkeit, bzw. Verwertbarkeit abgeklopft. Es ist
aber ein Irrtum zu glauben, dass die selbst getöpferte Katzenstatue oder das
handgestrickte Landschaftsbild nur einen Wert haben, wenn ein rotweinsaufender
Typ, mit Hornbrille und Künstlerschal uns in der New York Times besprochen hat.
Kreativität steht für sich.
Kreativität existiert unabhängig von
Erfolg. Erfolg kann sich natürlich einstellen. Sicher ist es schön, wenn die
Arbeit, die man in ein Projekt gesteckt hat, auch von anderen gewürdigt wird. Auch
ist nichts anrüchiges dabei sein Glück zu versuchen. Aber letztlich ist es eben
keine Voraussetzung dafür.
Und die Autorin weiß wovon sie spricht.
Trotz ihrem Weltbestseller, hat sie davor und auch danach einiges geschrieben,
was sich nicht so gut verkauft hat. Die Messlatte schien mit einem Mal ziemlich
hoch zu sein. Doch ihr Bedürfnis sich kreativ auszuleben wird aus einer ganz anderen
Quelle, als der Sucht nach Ruhm und Anerkennung gespeist.
Mit inspirierender Leichtigkeit spricht
sie sehr persönlich und offen über ein Thema, welches in unserer Gesellschaft
häufig nur einer kleinen gebildeten Elite vorbehalten bleibt. Sie bricht dabei
das verkrustete Schubladendenken auf und lässt die vielen Widersprüche, die der
Begriff der Kunst und Kreativität so an sich hat einfach ganz unbekümmert
nebeneinander stehen. Sie versucht keine Definition. Ebenso wenig legt sie sich
fest, wer für die Kunst geeignet ist und wer nicht. Sie macht nur eine
Einschränkung. Wer kreativ schafft, muss auch bereit sein, hart zu arbeiten.
Wobei sie deutlich darauf hinweist, dass sie damit nicht das Bild eines leidenden
Künstlers im Kopf hat, der von Depressionen und Perfektionismus zerfressen
seine Schaffenskrise in Alkohol ertränkt. Nein – für sie schließen sich
Perfektionismus und Kreativität sogar vollkommen aus. Sie räumt mit der
Vorstellung auf, dass man sich wie van Gogh ein Ohr für die Kunst abschneiden
muss. Selbstzerstörung setzt keine kreativen Kräfte frei, sondern zerstört sie.
Eine Sache, die wir gerne tun, ist eine
Quelle der Freude und weiteren Inspiration. Vielleicht ist dies eine banale
Erkenntnis. Auch erfindet Elisabeth Gilbert das Rad nicht neu. Dennoch finde
ich wichtig, dass wir an diese Dinge immer wieder erinnert werden. Daher, als
kleiner Tipp von mir, für alle die vielleicht noch ein Weihnachtsgeschenk
suchen für Menschen, die dringend mal wieder ihren Malkasten oder ihr
Schnitzwerkzeug aus der Schublade holen sollten, schenkt ihnen dieses Buch.
Ach, und falls noch jemand Bock hat, sich von dem Witz und Charme dieser Frau selbst überzeugen zu wollen, hier noch eine kleine Rede von Elisabeth Gilbert vor der
ICAN's
Women's Leadership Conference
Kleine Anmerkung: Von dem Untertitel des Buches sollte man sich nicht in die Irre führen lassen. Klingt nach Selbsthilfebuch, ist aber für dieses Buch absolut falsch gewählt.
Schon sehr früh verstand ich, was der wahre Fluch des Lebens ist. Der wahre Fluch des Lebens ist weder die Arbeit, noch die Sinnlosigkeit des Daseins, nicht einmal der Schmerz oder die Krankheit: der wahre Fluch des Lebens ist die Langeweile. Nur wer die Langeweile bezwingt, lebt. Nur wer es schafft, etwas anderes zu tun, als die Zeit totzuschlagen, verdient es, zu sagen: "Ich habe gelebt" .
Vladimir in: "El corrector", Ricardo Menéndez Salmón, Übers. Pasota
Alix sitzt auf der Arbeit vor ihrem PC.
Alles zieht sich. Irgendwie macht das so keinen Sinn. Plötzlich schleicht sich
ein Gedanke ein. Irgendwie passt da was nicht. Muss das alles so? Ist das eine
Phase oder vielleicht sogar ein generelles Problem?
Kurzerhand beschließt sie, ihren Job zu
kündigen. Sie plündert ihre Lebensversicherung und kauft sich ein altes,
klappriges Wohnmobil, um damit Hals über Kopf nach Italien runter zu düsen.
Raus aus dem Hamsterrad. Raus aus den Klauen des Meisters, der sich Arbeit
nennt.
by preussischer Widerstand
Alix Faßmann, ungefähr mein Alter, ist
Journalistin von Beruf. Sie blickt auf einen Musterlebenslauf zurück. Musterabi,
Musterstudium, Mustervolontariat. Eine leistungsbereite und ehrgeizige junge
Frau. Brav. Dann der erste Job als Redakteurin bei einer Berliner Tageszeitung
und schließlich gelingt ihr der Coup bei der „großen Volkspartei“, wie sie die
SPD nennt. Noch ein wenig Durchhaltevermögen, ein paar Überstunden, der Kopf im
Rektum des Chefs und die Karrieremaschine hätte sie vollkommen verschlissen. Stattdessen
entscheidet sie sich für die totale Verweigerung, wenn sie in der Einleitung ihres
Buches „Arbeit ist nicht unser Leben“
schreibt:
„Ich
wollte mir endlich einmal ganz genau die Widersprüche anschauen, die uns immer
wieder in die Ecke treiben: Selbstverwirklichung und Selbstverwertung,
Altersvorsorge und Nachwuchs, Rebellion und Gehorsam, Kreativität und
Kontrolle. Und natürlich die vielbeschworene Krise, die uns weitermachen lässt,
weil sonst alles den Bach runtergehen soll.“
Aus ihrer persönlichen Geschichte heraus
beginnt sie grundsätzliche Fragen an das System von Arbeit, bzw.
Arbeitslosigkeit zu stellen und zu diesem Thema zu recherchieren. Was bedeutet
Arbeit in unserer Gesellschaft? Weshalb ist sie so ein zentrales Thema für die
aller meisten von uns. Zunehmend zweifelt sie dieses von der vorherigen Generation gegebene Versprechen von Wohlstand und Sicherheit durch Arbeit an. Gilt das noch? Oder sollen wir nur glauben, dass es noch gilt, damit wir schön weiter kleine Rädchen bleiben?
Dieser Wandel von der vielversprechenden
Karrieristin hin zur größten Kritikerin an Karriere und Arbeit macht in meinen
Augen die Authentizität dieses Buches aus. Da spricht keine Systemverliererin,
die einfach ein bisschen über die Ungerechtigkeiten stammtischmäßig meckern
möchte. Außerdem lässt sie die Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen
miteinfließen und zeichnet so einen Querschnitt unserer Generation und deren
aktueller Probleme nach.
Zwar steht im Titel „Anleitung zur
Karriereverweigerung“. Wer hier allerdings einen Lebensratgeber a la „So kommst
du aus deiner langweiligen und nervtötenden Arbeit raus“ erwartet, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen. Das ist kein weiteres von
diesen Berufscoaching-Büchern, die dich zum erfüllenden Traumjob bringen
sollen. Und ich muss sagen: Gott sei Dank.
by preussischer Widerstand
Dies ist ein politisches Buch mit einer
radikalen Kampfansage an den gegenwärtigen Turbokapitalismus. So versucht Alix
Faßmann ihre Verweigerung auch konsequent zu Ende zu denken und entscheidet sich
nicht für eine verträumte Weltflucht. Die Lösung des Problems sieht sie nicht
in der Gründung einer alternativen Kommune oder einer Partei. Stattdessen wird
sie sehr aktiv und erschafft in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten im Internet das
Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung. Obwohl ich diesen Ort
grundsätzlich gut und wichtig finde, ist die Gestaltung der Page ein wenig
unübersichtlich und schwer zu handeln. Ich fürchte, dass die Jungs und Mädels daran noch ein wenig feilen müssen. Aber nichts desto trotz möchte ich unbedingt die Reiter
„Kinemathek“ (Werkreihe) und „Kapitalismustribunal“ empfehlen. Sehr informativ.
Alix Faßmann, Arbeit ist nicht unser
Leben, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-7857-6104-5
Tom Hodgkinson, der ungekrönte König
der Faulenzer, Slacker, Karriereverweigerer und Aussteiger aus
Großbritannien, hat, ganz pathetisch gesagt, mein Leben verändert.
Wie? Mit einer Reihe an Büchern, die
auf geistreiche, amüsante und erhellende Weise darlegen, dass es
auch ein Leben außerhalb des mühseligen und stumpfen
Arbeiten-Konsumieren-Schlafen-Laufrads gibt, und zwar ein sehr
fideles und inhaltsreiches.
Seine radikale Devise lautet: „Hört
auf zu arbeiten!“ Damit ist nicht allein die totale
Arbeitsverweigerung gemeint, sondern u.a. auch das Umsteigen auf eine
Halbzeitstelle, keine Überstunden mehr zu machen oder das Einlegen
eines Sabbatical-Jahrs. Die dadurch gewonnene freie (besser:
befreite) Zeit kann dann dem gewidmet werden, was das Dasein erst
lebenswert und kostbar macht: Müßiggang, schöpferisch tätig sein,
spielen, lieben, feiern, lernen. Das dadurch weniger verdiente Geld
setzt natürlich voraus, dass man seine materiellen Bedürfnisse
herunterschraubt und lernt, mit weniger auszukommen.
Das Buch, das ich am beeindruckendsten
finde und nach vielen Jahren immer noch regelmäßig zur Hand nehme,
ist „How to be free“ (oder „Die Kunst, frei zu sein“, ich
empfehle jedoch die englische Ausgabe). Mit zahlreichen
geschichtlichen Ausführungen und Zitaten skizziert Hodgkinson
Entwicklung, Zustand und Folgen des kapitalistischen Systems, mit
besonderem Augenmerk auf die heutige Arbeitswelt mit ihrer unfrei
machenden Moral.
Der Schriftsteller kann sich jedoch
nicht nur gut beklagen, sondern er macht auch originelle und
vorallendingen konkrete Vorschläge, wie man persönlich Abstand von
der Tretmühle und ihren leeren Versprechungen gewinnen kann.
Er schreibt keine
Weltrettungsliteratur, ruft nicht zur großen Revolution auf der
Straße auf. Das darf man nicht erwarten. Aber für manch' eine
desorientierte und vom Alltagsleben gepeinigte Person können seine
Bücher kleine Lebensretter sein. Zumindest sind sie das für mich.
Extrovertierte Menschen sind
mir immer suspekt gewesen. Von Kindesbeinen an waren mir Partys oder
Festivitäten, wo die Erwachsenen mit geröteten Wangen schrill und laut lachten
und sich stundenlang unterhalten konnten, seltsam fremd. Als Teenager fiel es
mir schwer, mich am Unterricht zu beteiligen. Wenn der Lehrer Fragen stellte,
brauchte ich eine Weile um meine Gedanken zu sortieren und schwupps – hatte sich
in der Zwischenzeit schon ein anderer Schüler gemeldet, dessen Aussagen zwar
nicht besonders gehaltvoll, dafür aber unendlich ausschweifend waren. Lange
Vorträge, auf Kommando sich präsentieren waren nie mein Ding. Ich brauche
Vorbereitungszeit. Trotzdem war ich von meinem Wesen her mein Leben lang
selbstkritisch und habe alles hinterfragt. Über die Jahre habe ich ein gutes Auge
für Details entwickelt. Denn während die anderen herumgeplappert haben, habe
ich meine Umgebung beobachtet. Es versteht sich daher von selbst, dass ich tiefsinnige
Gespräche oberflächlichem Smalltalk vorziehe. Leider ist das nicht immer ein
Vorteil, um neue Leute kennen zu lernen.
In einer lauten Welt, wo ausschließlich Leistung,
gepaart mit Schnelligkeit zählen und angeblich zum Erfolg führen, ist es oft
nicht einfach sich entsprechend zu behaupten und deutlich zu machen, dass
dieses Verhalten nicht der einzige Weg ist.
Vor einigen Monaten fiel mir ein Buch in
die Hände, mit dem Titel „Die Macht der Introvertierten“ von Marti Olsen Laney.
Ich gebe zu, dass mir das Etikett der Introversion früher eher wie ein Makel
vorkam. Bei introvertierten Menschen denkt man an Mathe-Nerds mit Nickelbrille,
die schüchtern und langweilig in der Ecke stehen, weil ihre sozialen
Kompetenzen bei dem letzten Computerspiel endgültig verkümmert sind. Oder man
denkt an die kleine Bibliothekarin, die in ihrem grauen Pullover und einem Dutt
hinter dem Schalter sitzt und liest. Selbst ich ertappte mich oft bei dem Gedanken
und wollte bloß nicht in solch eine stereotype Schublade gesteckt werden. Also
versuchte ich mich anzupassen. Schließlich wollte ich nicht als langweilig
gelten. Aber das verbraucht mehr Kraft, als es gibt.
Die Lektüre des Buches von Olsen Laney hat
mir aber die Augen geöffnet. Seither kann ich mit diesem Thema entspannter
umgehen und möchte an dieser Stelle alle Introvertierten ermutigen zu ihrer
Wesensart zu stehen. Sie ist nämlich toll!
Als ich mich mit diesem Thema weiter
beschäftigte, stolperte ich bei meiner Recherche auch über introvertierte
berühmte Persönlichkeiten. Menschen wie Charles Darwin, Woody Allen, Clint Eastwood, Angela Merkel
und sogar Barack Obama waren und sind introvertiert.
Hier ein paar Fakten über
Introvertierte:
Introvertierte stellen ein Viertel der
Weltbevölkerung. Es gibt dazu folgende Erklärung: Extrovertierte schreiten schneller
zur Tat und kommen rascher mit anderen Menschen in Kontakt. Doch sie bleiben
dabei auch mehr an der Oberfläche und durchdenken die Dinge nicht immer so
tiefgehend. Introvertierte dienen hier als Berater und Denker, die Projekte und
Dinge langfristig vorbereiten. Da es aber für die aktive und konkrete Umsetzung
mehr Menschen benötigt, als für die Planung, gibt es auch entsprechend mehr Extrovertierte.
In den seltensten Fällen ist ein Mensch weder
ausschließlich extrovertiert noch introvertiert. Die Tendenzen und Grenzen sind
da genauso fließend, wie bei allen anderen Charakterausprägungen auch.
Introvertierte sind grundsätzlich nicht
ungesellig. Sie genießen und schätzen Gesellschaft und nette Leute wie jeder
andere auch. Allerdings brauchen sie dafür keine riesigen Partys. Eine Gruppe
von netten, vertrauten Leuten tut es genauso gut.
Introvertiertheit hat weder etwas mit
sozialer Phobie, noch mit Schüchternheit zu tun. Wobei Introvertierte natürlich
trotzdem darunter leiden können. Extrovertierte allerdings auch.
Introvertiert oder Extrovertiert - diese Veranlagung ist angeboren. Doofe Sprüche von Eltern oder Lehrern, wie "Reiß dich mal zusammen" oder "Geh doch mal mehr aus dir heraus." helfen da herzlich wenig.
Introvertierte unterscheiden sich in
ihrer Art von Extrovertierten, wie sie Energie verbrauchen und wieder aufladen.
Während extrovertierte Menschen ihre Lebenskraft daraus ziehen von möglichst
vielen Menschen umgeben zu sein und sich mit ihnen auszutauschen, verbrauchen
Introvertierte auf diese Art eher Energie. Um neue Kraft zu tanken brauchen sie
daher häufiger auch mal Ruhe und genau dies sollte man auch respektieren.
Das Thema könnte ich sicherlich noch
weiter vertiefen. Aber ich belasse es erst Mal an dieser Stelle dabei. Vielleicht
mag sich ja jemand outen? ;)