Eigentlich habe ich keine Ahnung von
diesem ganzen Scheiß. Ich meine, von diesen ganzen Youtube-Stars. Plötzlich
waren die da. Irgendwelche Kiddies, die mit der Handykamera in ihren
Kinderzimmern angefangen haben die Welt zu terrorisieren und die nun von einer
Fanbase aus genauso pickligen Halbwüchsigen bis aufs Blut in Form von völlig
unsachlichen Kommentaren verteidigt werden.
Trotzdem treibe ich mich dann und wann
in dieser Szene herum. Es gibt so zwei, drei Mittzwanziger, die ich ganz
unterhaltsam finde und deren Ansichten ich halbwegs vertreten kann. Die sind
dann auch noch nah genug an der Jugend, so dass ich aus dem Bereich was
mitbekomme.
Dabei hat mich ein Youtube-Video
besonders schockiert, welches auf diesen Kanälen kritisch kommentiert wurde. Der
Gay-Prank vom Youtuber Mert Matan.
Für uns alte Säcke da draußen, die keine
Ahnung haben was ein Prank ist – ja, Leude, ich wusste das nicht – ein Prank
ist nichts anderes, als ein Streich. Als Kind der Achtziger kannte ich das
lediglich als „Versteckte Kamera“ mit Frank Elstner und fand es schon damals
voll öde.
Der Mert findet es super lustig seinen
Vater zu verarschen, indem er sich vor ihm als schwul outet. Ich habe wirklich
versucht mir das anzusehen, um mir selbst ein Bild zu machen. Aber ich glaube, mir
wäre mein Frühstück hoch gekommen, wenn ich mir das wirklich bis zum Schluss
angetan hätte.
Mir hat es gereicht mit anzusehen, wie
sein Vater, der neben ihm auf dem Sofa sitzt, plötzlich aufspringt und anfängt
auf ihn einzudreschen. Ich spürte Übelkeit in mir aufsteigen und ich weiß gar
nicht, wen ich mehr verabscheue: Den Vater, der sich als intolerantes, rückständiges
Arschloch ‚outet‘ – den Wortwitz bitte an dieser Stelle beachten – oder sein
Sohn, der zusammengerollt auf dem Sofa liegt, um sich vor den Schlägen zu
schützen und dabei lacht.
Das Video hat 1 Million Klicks. Das muss
man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 1 Million. Ein Video in Form eines
bagatellisierenden Pranks, das in Wahrheit Intoleranz und Hass verbreitet,
erntet so viel Aufmerksamkeit, wie es möglicherweise nur noch Katzenvideos
schaffen. Wer ist dieser Typ überhaupt?
Die Intelligenz des Erschaffers dieser
menschenverachtenden ‚Unterhaltung‘, wird nur noch von der geistigen
Minderbemittlung seiner Zuschauer getoppt.
Allen Ernstes verweisen nicht wenige Leser in den Kommentaren auf die Meinungsfreiheit
des Einzelnen, die ihrer beschränkten Logik nach auch das Recht einräumen würde,
Schwule als ekelhaft und unwürdig zu bezeichnen.
Aber rechtfertigt diese sogenannte
Meinungsfreiheit auch Gewalt? Intertoleranz hat mit Meinungsfreiheit nichts zu
tun, so sehr man sich und anderen das auch einreden möchte.
Im Grunde macht es nicht einmal
besonders viel Mühe dies zu erkennen. Sicher kann ich niemandem verbieten zu
denken, was er möchte. Ich bin auch gar nicht daran interessiert, jemanden in
seiner Gedankenwelt zu beschränken. Sich ein Verbot im Denken aufzuerlegen,
verhindert eine echte Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Und an dieser Stelle
beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn ist nicht derjenige in seinem Denken
beschränkt, der die Möglichkeit anderer Lebensweisen nicht akzeptieren und für
sich zulassen kann? Wer die Tatsache homosexueller Liebe mit wütender Abscheu
und aggressivem Gehabe von sich weist, hat sich doch keine wirkliche Meinung
dazu gebildet. Eigentlich zeigt er lediglich, wie sehr ihn seine Angst betäubt.
Harte, heterosexuelle Machos zeigen sich wie völlig überforderte Kinder, die
geistig etwas nicht einordnen können und deshalb Rotz und Wasser heulen. Tut
mir leid, aber das toleriere ich nicht.



