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Freitag, 25. März 2016

Gay Pranks - Ist das die heutige Jugendkultur?


Eigentlich habe ich keine Ahnung von diesem ganzen Scheiß. Ich meine, von diesen ganzen Youtube-Stars. Plötzlich waren die da. Irgendwelche Kiddies, die mit der Handykamera in ihren Kinderzimmern angefangen haben die Welt zu terrorisieren und die nun von einer Fanbase aus genauso pickligen Halbwüchsigen bis aufs Blut in Form von völlig unsachlichen Kommentaren verteidigt werden. 
Trotzdem treibe ich mich dann und wann in dieser Szene herum. Es gibt so zwei, drei Mittzwanziger, die ich ganz unterhaltsam finde und deren Ansichten ich halbwegs vertreten kann. Die sind dann auch noch nah genug an der Jugend, so dass ich aus dem Bereich was mitbekomme.
Dabei hat mich ein Youtube-Video besonders schockiert, welches auf diesen Kanälen kritisch kommentiert wurde. Der Gay-Prank vom Youtuber Mert Matan.
Für uns alte Säcke da draußen, die keine Ahnung haben was ein Prank ist – ja, Leude, ich wusste das nicht – ein Prank ist nichts anderes, als ein Streich. Als Kind der Achtziger kannte ich das lediglich als „Versteckte Kamera“ mit Frank Elstner und fand es schon damals voll öde.
Der Mert findet es super lustig seinen Vater zu verarschen, indem er sich vor ihm als schwul outet. Ich habe wirklich versucht mir das anzusehen, um mir selbst ein Bild zu machen. Aber ich glaube, mir wäre mein Frühstück hoch gekommen, wenn ich mir das wirklich bis zum Schluss angetan hätte.
Mir hat es gereicht mit anzusehen, wie sein Vater, der neben ihm auf dem Sofa sitzt, plötzlich aufspringt und anfängt auf ihn einzudreschen. Ich spürte Übelkeit in mir aufsteigen und ich weiß gar nicht, wen ich mehr verabscheue: Den Vater, der sich als intolerantes, rückständiges Arschloch ‚outet‘ – den Wortwitz bitte an dieser Stelle beachten – oder sein Sohn, der zusammengerollt auf dem Sofa liegt, um sich vor den Schlägen zu schützen und dabei lacht. 
Das Video hat 1 Million Klicks. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 1 Million. Ein Video in Form eines bagatellisierenden Pranks, das in Wahrheit Intoleranz und Hass verbreitet, erntet so viel Aufmerksamkeit, wie es möglicherweise nur noch Katzenvideos schaffen. Wer ist dieser Typ überhaupt? 
Die Intelligenz des Erschaffers dieser menschenverachtenden ‚Unterhaltung‘, wird nur noch von der geistigen Minderbemittlung  seiner Zuschauer getoppt. Allen Ernstes verweisen nicht wenige Leser in den Kommentaren auf die Meinungsfreiheit des Einzelnen, die ihrer beschränkten Logik nach auch das Recht einräumen würde, Schwule als ekelhaft und unwürdig zu bezeichnen.
Aber rechtfertigt diese sogenannte Meinungsfreiheit auch Gewalt? Intertoleranz hat mit Meinungsfreiheit nichts zu tun, so sehr man sich und anderen das auch einreden möchte.


Im Grunde macht es nicht einmal besonders viel Mühe dies zu erkennen. Sicher kann ich niemandem verbieten zu denken, was er möchte. Ich bin auch gar nicht daran interessiert, jemanden in seiner Gedankenwelt zu beschränken. Sich ein Verbot im Denken aufzuerlegen, verhindert eine echte Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Und an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn ist nicht derjenige in seinem Denken beschränkt, der die Möglichkeit anderer Lebensweisen nicht akzeptieren und für sich zulassen kann? Wer die Tatsache homosexueller Liebe mit wütender Abscheu und aggressivem Gehabe von sich weist, hat sich doch keine wirkliche Meinung dazu gebildet. Eigentlich zeigt er lediglich, wie sehr ihn seine Angst betäubt. Harte, heterosexuelle Machos zeigen sich wie völlig überforderte Kinder, die geistig etwas nicht einordnen können und deshalb Rotz und Wasser heulen. Tut mir leid, aber das toleriere ich nicht.

by preussischer Widerstand


Samstag, 14. November 2015

Je suis Paris





Nur ein paar Worte. Gedankenfetzen. Einfach blöd hingestammelt. Ich werde nie verstehen können, warum Menschen solche Dinge, wie sie letzte Nacht in Paris geschehen sind, tun können. Dabei ist es mir auch völlig egal, welche Gründe sie für ihr Handeln vorschieben. Ich erkenne nur Hass, Verblendung und am Ende, im tiefsten Kern Angst. Angst ist die treibende Kraft von jedem, der anderen Menschen etwas antut. Angst, die jedem Menschen einflüstert, dass er sich und seine angeblichen Werte, Rechte oder sonst was verteidigen muss. Angst, die hektisch auf Schatten schießt, ohne zu fragen, ob da überhaupt etwas oder jemand ist, der sie wirklich bedroht.

Ich bin jedes Mal schockiert über solche Nachrichten. Natürlich nicht nur, wenn etwas in Paris, bzw. Europa passiert. Egal, wann, wo und wie. Ich werde niemals verstehen, warum Menschen sich wie kleine Kinder von ihrer Angst so beherrschen lassen. Ich weiß, dass Angst und Hass oft schwer zu händeln sind. Aber diese Angst wird weiter gegeben. Ich befürchte, dass sich jetzt wieder die besorgten Bürger bestätigt fühlen werden. Eine natürliche Folge, was mir Sorgen bereitet. Angst unterscheidet nämlich nicht. Sie behält keine Nerven und schaut sich nicht die Situation sachlich an. 

Wir sind alle Menschen und wir sollten den Mut haben, durchzuatmen und den Menschen, der uns gegenüber steht, ruhig anzusehen und wir werden erkennen, dass er, wir selbst sind. Voller Angst, voller Zweifel, aber doch wir selbst.

Mittwoch, 11. November 2015

Das Recht Schnaps zu trinken – Obdachlose



Als ich siebzehn war und voller herrlicher Naivität, (die sich bis heute in mancher Hinsicht leider erhalten hat), dachte ich, dass ich einem Obdachlosen kein Geld geben dürfte, weil ich damit nur seinen Drogen- und Alkoholkonsum unterstützen würde. Und Drogen und Alkohol sind natürlich schlecht. Stattdessen sagte eine Freundin zu mir, dass ich diesen Leuten lieber ein belegtes Brötchen kaufen sollte. Nun überstieg es die Höhe meines Taschengeldes jedem Bettler ein belegtes Brötchen zu kaufen und ehrlich gesagt war ich auch ein bisschen zu schüchtern dafür. Also gab ich nichts und fühlte mich schlecht. War das die Lösung? Nein. 

Ich überwand mich eines Tages und kaufte schließlich dieses verdammte Brötchen. Aufgeregt steuerte ich den nächsten Obdachlosen an, in freudiger Erwartung, wie er auf meine Gabe reagieren würde. Doch er schüttelte bloß den Kopf. Er wollte lieber einen Döner. Empört und gekränkt stampfte ich von dannen. Einen Döner? Wie bitte? Und vielleicht noch ein bisschen Kaviar dazu?

Wie kann dieser Mann meine Geste der Barmherzigkeit einfach so abschmettern? Tja, er kann es, weil er’s kann. Ganz simpel.

Ich habe etwas gebraucht, bis ich verstanden habe, dass es nicht meine Aufgabe ist, darüber zu richten, wofür ein Obdachloser das Geld ausgibt, welches ich ihm freiwillig gebe. Schließlich brauche ich auch keine verurteilenden Blicke von meinem Chef, wenn ich den Lohn, den er mir auszahlt, in chinesisches Essen und teuren Wein investiere. 

Überhaupt ist es wohl ein wenig vermessen zu glauben, man könne durch Brötchenkauf einen Menschen vom Drogenkonsum abhalten oder durch die Verweigerung von Geld ihn ‚erziehen‘. Schon peinlich, dass ich das mal gedacht habe. Aber wie gesagt, ich war jung und fand es voll logisch.

Selbstverständlich wäre es wohl am einfachsten den Menschen zu fragen, was er braucht und wie es ihm geht. Nun bin ich einfach nicht der Typ, der fremde Leute auf der Straße anquatscht, egal ob sie obdachlos sind oder im Anzug herum laufen. Aber ein paar Mal haben sich doch kurze Gespräche ergeben. Eines ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.

Mein Freund und ich sind auf der Königsallee an einem Obdachlosen vorbei gelaufen, der ein ganzes Schuhputzset vor sich ausgebreitet hatte. Er trug eine Schiebermütze. Aufrecht und mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand er da und wartete auf Kundschaft. Ich blickte hinunter auf die Schuhe meines Freundes. „Man, die könnten aber auch mal wieder geputzt werden. Die sind super dreckig. Was meinst du? Sollen wir zu diesem Mann gehen?“ Wir blieben stehen, schauten uns an und berieten uns. „Echt? Ist das nicht komisch? Sich so von einem anderen die Schuhe putzen zu lassen? Wirkt so wie ein fetter Kapitalist, der auf den Schuhputzer herabblickt.“ 

Szenen aus Charles Dickens Romanen tauchten vor meinem inneren Auge auf. Aber was ist die Alternative für diesen Mann? Wenn niemand zu ihm geht, um die Dienstleistung, die er anbietet, anzunehmen, weil niemand der fette Kapitalist sein möchte, hat er für diesen Tag auch nichts davon. 

Also entschlossen wir uns zu ihm zu gehen. Voller Begeisterung machte er sich an die Arbeit. Wir fragten ihn, wo er denn die tolle Ausrüstung her hätte und mit leuchtenden Augen erzählte er uns, wie er sie mühsam zusammen gespart hätte. „Den Kasten, wo sie ihren Fuß drauf stehen haben, habe ich für 75€ aus einem Antiquitätenladen. Es ist mein wertvollster Besitz. Aber es erleichtert mir die Arbeit. Sonst müsste ich mich so tief bücken, was in den Rücken geht.“ Der Mann erzählte uns vom harten Leben auf der Straße und das er seit über einem Jahr trocken sei. Aber er hätte in letzter Zeit einige Tagelöhnerjobs in Aussicht und dies sagte er nicht ohne Stolz in seiner Stimme.
Eigentlich redete er die ganze Zeit und wir hörten ihm bloß zu. Am Ende wünschten wir ihm Glück bei seinen weiteren Bemühungen. Es hatte nichts von diesem harten Unten-/ Obengefälle, welches wir befürchtet hatten.

Auch wenn solche Begegnungen bei mir doch eher selten sind, glaube ich, dass ein ehrliches, freundliches Lächeln und einen schönen Tag wünschen, es häufig auch schon tun. Und natürlich ein paar Euros dalassen. ;)

Donnerstag, 5. November 2015

Die Unterschicht




Ich mag dieses Wort nicht. Unterschicht. Klingt wie Kaffeerest oder die Dreckkruste am Boden des Mülleimers. Kein Begriff ist mit mehr Klischees behaftet, außer vielleicht Feminismus oder der Islam, wie die Unterschicht.

Seit der Einführung von Hartz IV werden Menschen, die auf die finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen sind, systematisch diskriminiert. Die Schubladen, in welche diese Menschen und damit auch ich, gesteckt werden, sind zum Teil so absurd, wie auch stereotyp, dass ich mir jedes Mal die Haare raufen möchte. 

Zur der Verbreitung dieses Bilds tragen vorrangig die Medien bei, in dessen Kerbe auch die meisten  Politiker und die gesamte Öffentlichkeit gleich mit rein hauen. Dabei spreche nicht einmal von den gängigen Privatsendern, wie RTL oder Prosieben, welche durch ihre gescripteten Realityformate ein völlig verzerrtes Bild von Menschen in Armut zeigen. Meiner Beobachtung nach sind es eigentlich alle Medien. Selbstverständlich auf einem höheren Niveau und nicht so plakativ. Die Diskriminierung erfolgt häufig viel subtiler und fällt selbst mir nicht immer sofort auf. 

In der Regel werden Angehörige der Unterschicht wie überdrehte Borderliner, bzw. völlig bindungsunfähige und vollkommen irrationale Kinder dargestellt, die weder mit Geld umgehen können, noch sonst ihr Leben irgendwie im Griff haben. Sie sind Sklaven ihres hedonistischen Triebs und sind vollkommen auf  ihren eigenen Vorteil bedacht. Es geht ihnen lediglich darum, den Staat und ihre ganze Umgebung so viel wie möglich auszubeuten und so wenig wie möglich dafür leisten zu müssen. Dies äußert sich beispielsweise in einer totalen Bildungsverweigerung, da Bildung für völlig unwichtig gehalten wird. Schließlich orientieren sich Menschen aus der Unterschicht komplett und ausschließlich nur an Z-Promis, wie den Kardashians und Daniela Katzenberger, die es ja auch ohne Bildung „geschafft“ haben. 

Aus diesem Vorurteil speist sich ja auch die Ansicht, dass Menschen an ihrer Armut selbst schuld sind, da sie undiszipliniert und triebgesteuert sind. Ihnen fehlt die Fähigkeit, vernünftige Entscheidungen zu treffen und für die Zukunft vorzusorgen, was etliche Teenie-Schwangerschaften belegen. So sind sie, die Menschen aus der Unterschicht. Emotional, irrational und zu jeder vernünftigen Kommunikation unfähig. Ihr Wortschatz ist beschränkt. Zu mehr als „Ey Alter, lass die Finger von meiner Ollen“, reicht es nicht. Rosenberg würde mit seiner gewaltfreien Kommunikation scheitern. 

Was ich allerdings seltsam finde, ist, dass ich diese Vorurteile und Klischees in der Realität nicht bestätigt finde. In der ganzen Zeit, wo ich mit anderen Erwerbslosen in Jobcentern und Maßnahmen in Kontakt gekommen bin, habe ich niemanden getroffen, der diesem Bild entsprochen hätte. Natürlich gab es hin und wieder Menschen, die ziemlich am Ende waren, überladen von Problemen, Schicksale, die auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickten und denen vielleicht auch nicht mehr zu helfen war. Aber die Mehrzahl der Menschen waren wie du und ich. 

Interessanterweise habe ich neulich sogar einen Artikel darüber gelesen, dass Menschen aus der Unterschicht mehr Mitgefühl zeigen, als reiche Menschen. Reiche haben es in der Regel nicht nötig sich um die Gunst anderer zu bemühen. Sie sind nicht auf die Hilfe anderer angewiesen und neigen deshalb dazu auch anderen weniger zu helfen. Besonders reich geborene Jugendliche haben angeblich sogar oft Probleme damit Blickkontakt mit anderen Menschen zu halten und sind daher in ihrer sozialen Interaktion eingeschränkter. 

Ich fand diese Sichtweise ziemlich interessant, die sicher nicht für jeden wohlhabenden Menschen gilt. Aber man braucht wohl nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass auch Reiche drogenabhängig, hedonistisch und völlig asozial sein können.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Minigolf und der Glaube an sich selbst



preussischer Widerstand


Am  letzten Wochenende traf ich mich mit zwei Freundinnen zum Minigolf spielen. Wir wollten den letzten Sonnenschein nutzen und endlich nachholen, was wir im Sommer ständig verpasst hatten.
Außer, dass ich enthusiastisch auf- und abspringe und wie ein aufgeregtes Kind den Schläger schwinge, zeichne ich mich bei diesem „sportlichen“ Vergnügen durch keinerlei besondere Geschicklichkeit aus. Spiel und Spaß stehen im Vordergrund. Also wurde das Herbstlaub von der Bahn gefegt und munter drauf los geschlagen. Doch jedes Mal, kurz vor dem Abschlag, schoss mir immer derselbe Gedanke durch den Kopf: „Was, wenn du nicht richtig triffst?“ Schließlich schlug ich daneben und der Golfball prallte an den Hindernissen ab. Ich begann mich zu verkrampfen. Plötzlich stand ich mit zusammengekniffenen Augen und zusammengepressten Lippen da, den Schläger fest in der Hand und visierte das energisch Ziel an. Auf einmal war es gar nicht mehr so spaßig. Auf einigen Bahnen gelang mir schließlich auch, mit wenigen Schlägen einzulochen. Aber das war dem Glück geschuldet, so mein Gedanke.

Eine Freundin rief mir von hinten zu: „Du musst daran glauben, dass es klappt. Du musst an dich glauben.“ Diese Aussage brachte mich zum Nachdenken. Du musst an dich glauben. In der Regel kann ich wenig mit diesen im Imperativ hervorgebrachten Motivationssätzen anfangen. In unserer auf Selbstoptimierung fixierten Welt begleiten sie mich schon mein Leben lang. Jede zweitklassige Erfolgslektüre arbeitet mit diesem Satz. Aber wie soll mich ein Befehl zu Glück und Erfolg führen? Und was bedeutet überhaupt an sich selbst glauben? Was ist, wenn ich nicht an mich glauben kann? Was macht das dann mit mir?

Wie eigentlich jeder Glaubenssatz ist auch dieser vollkommen unzureichend formuliert. Darin verbirgt sich lediglich ein Appell, der im schlimmsten Fall nur Druck und Frust erzeugt, wenn es mit dem ‚an sich selbst Glauben‘ irgendwie nicht klappen will. Der Teufelskreis ist perfekt und schupps verbringt man einen ganzen Nachmittag mit Selbsthass, weil man nicht an sich selbst glaubt.

Das Kernproblem an dieser Geschichte ist, dass Zuversicht und Selbstvertrauen nicht dadurch entwickelt werden können, dass ein anderer dir den Befehl dazu gibt. Worte die von außen kommen, prallen in der Regel einfach an einem ab. Mir geht es jedenfalls so. Mein Verstand erfasst die Aussage, aber mein Herz ist oft noch lange nicht soweit.

Wenn du nicht an dich glaubst, dann tut es keiner. Dieser Satz klingt auf den ersten Blick überhaupt nicht motivierend, sondern eher beängstigend. Schließlich bedeutet er, dass die komplette Verantwortung für das Gelingen des eigenen Lebens auf den eigenen Schultern lastet. Hilfe! Das klingt anstrengend, in manchem Fall sogar lebensbedrohlich. Denn was ist, wenn ich es nicht schaffe an mich zu glauben und mein Leben dann völlig misslingt? Zeigen dann alle lachend mit dem Finger auf mich? Muss ich mich dann einfach noch mehr anstrengen und noch härter versuchen an mich zu glauben, damit am Ende keiner mit der selbstgerechten Binsenweisheit ankommt: Hättest du nur an dich geglaubt, dann wäre das nicht passiert.

Die Antwort darauf ist so banal, wie simpel. Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob man an sich glaubt oder nicht. Ob etwas klappt kann man nämlich dadurch nicht immer beeinflussen. Begünstigen vielleicht. Vor dem Scheitern ist man dadurch aber noch lange nicht gefeit, da die meisten Dinge ja oft noch von tausend anderen Faktoren abhängen. Doch eins ist sicher, es fühlt sich besser an.

Deshalb machte ich folgenden Versuch. Vor jedem Abschlag beschloss ich nun ‚einfach‘ daran zu glauben, dass es klappt. Überraschenderweise erhöhte sich meine Trefferquote ein wenig, was aber auch daran liegen kann, dass ich durch den Spielverlauf einfach mehr an Übung gewonnen hatte. Who knows. Aber das spielte auch keine Rolle.
Zum Ende meines kleinen psychologischen Selbstversuches würde ich euch jetzt gern erzählen, dass ich, ganz hollywood-like einen triumphalen Sieg über meine Freundinnen errungen habe und ich mit meinem neugewonnenen Selbstvertrauen an Weltrettungsprojekten arbeite. Natürlich ist dem nicht so. Ich bin letzte geworden. Aber nur ganz knapp und irgendwie war’s auch egal. Es hat sich lediglich gut angefühlt die Dinge anders zu betrachten.