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Donnerstag, 4. Februar 2016

Karneval war nicht immer schlimm, jetzt aber schon.


Karneval zu Kindertagen war großartig. Kinderkarneval war einfach der Shit. Man hat sich von seinen Eltern ein geiles Kostüm kaufen oder nähen lassen, man hat sich mit eigentümlich riechender Schminke das Gesicht zugekleistert, es gab überall (in der Schule, im Jugendheim, in der Tanzschule) Feiern mit Schokokuss-Ess-Wettbewerben, der Reise nach Jerusalem, Kostümwettbewerben, und Jungs mit nervigen Sprühluftschlangen, die mit ihrem Narrenzoll meinen Vater zur Weißglut trieben. Einfach die zweitbeste Sache im Jahr nach Weihnachten.

Der Fall zum Erwachsenenkarneval ist sehr tief. Ein krampfhafter Versuch, mithilfe der Kombination schlechte Tanzmusik + Alkohol die Wonne und Unbeschwertheit früherer Tage wiederherzustellen. Die Rekonstruktion eines Kindergeburtstages, nur das all' die wirklich lustigen Sachen fehlen, stattdessen gibt es unnötig sexualisierte Kostüme und Bierhelme, man ist ja schließlich erwachsen. 

Leute, deren Existenz man sonst gleichmütig bis skeptisch zur Kenntnis nimmt und in Situationen räumlicher und emotionaler Nähe gerade noch aushalten kann, werden zu Karneval unerträgliche Zeitgenossen. Ich weiß gar nicht, wen ich schlimmer finden soll: die Durchschnitts-Langweiler, die gesellschaftlich legitimierte "Feiertage" brauchen, um mal richtig über die Stränge zu schlagen; jugendliche, perfekt gestylte Party-Animals, die sowieso immer feiern (was auch immer sie andauernd zu feiern haben) und schon gegen 11 Uhr vormittags die Grenzen des guten Geschmacks und des Kotzens überschreiten oder die rheinischen Frohnaturen mittleren bis älteren Semesters, die sich identisch kostümiert in Horden bewegen und demonstrativ ihren "Spaß an der Freud'" zur Schau stellen müssen.

Mittlerweile glaube ich, man erkennt den Charakter eines Menschen nicht nur im Spiel sehr gut, sondern auch daran, wie er sich an Karneval verhält. Vielleicht lindert dieser Gedanke ein wenig meinen Abscheu gegenüber der Sache. Wenn alles eine große Beobachtungsstudie ist, dann hat man auch die nötige Distanz, um eine Truppe nach Billoschnaps stinkenden Clowns in der vollen Straßenbahn hinzunehmen.

via barfusslatscher.de

Donnerstag, 28. Januar 2016

Deutsche Lebensqualität


Neulich im Kursraum von "Deutsch als Fremdsprache".


An der Wand ein Cluster zum Thema 'Leben im Ruhrgebiet':

- Förderturm, Bergwerk, malochen
- Kühe, mit dem Fahrrad am Rhein-Herne-Kanal fahren
- Autobahn, Frachtschiff, Straßenbahn
- Kiosk/ Bude
- auf Schalke gehen, Schrebergarten, Segelschiff, Einkaufszentrum Oberhausen
- Tauben züchten (Untertitel: "Das Rennpferd des kleinen Mannes")
- Kraftwerk, Duisburg Beeckerwerth
- Curry-Wurst, Rockkonzert, Kultur in einer Anlage


Daneben eine Auflistung von Klischees über (deutsche) Männer und Frauen:

Männer:

- hat Muskeln
- macht viel Sport
- sieht gern (Fußballspiele) fern
- isst viel und schnell
- trinkt viel Bier
- arbeitet fleißig
- macht Karriere
- liebt Autos
- duscht schnell
- machte beim Spielen komische Geräusche, als er Kind war
- will ein Held werden

Frauen:

- kochen gerne
- mehr sprechen als Männer
- lange einkaufen
- bunte Kleidung tragen
- Diät immer machen
- ins Café gehen
- Fingernägel sich lackieren
- lange Haare haben
- Make-Up machen
- Süßigkeiten essen
- ein Kind erziehen
- Klavier spielen können



Donnerstag, 31. Dezember 2015

Silvesterpunsch Reloaded

 
by Stern.de

Alfred (das Ekel): Seitdem die Merkel dran ist, läuft auch nur noch Scheiße im Fernsehen. Als hart arbeitender Bürger habe ich doch wohl das Recht auf ein anständiges Fernsehprogramm an Silvester!

Else: Mach doch das Ding aus, das Essen ist eh gleich fertig. 

Alfred: Das wäre ja noch schöner, mir vom Essen das Fernsehen verbieten zu lassen. Die feinen Herren von der Regierung wollen uns ja sogar schon das Raketen knallen verbieten! Damit sich irgendwelche Mullahs und Kulis aus Tadschikistan, die hierher gekommen sind, um sich von uns durchfüttern zu lassen, nicht erschrecken.

Rita: Das kann dir doch egal sein. Du hast doch noch nie in deinem Leben Feuerwerksraketen abgefeuert, weil das nur was für Primitivlinge und Minderbemittelte sei, hast du gesagt.

Alfred: Darum geht es nicht! Es geht ums Prinzip! Warum soll ich mir das Recht auf gute deutsche Tradition absprechen lassen, nur  weil hier ein paar übersensible Kaffas nicht beim Schlafen gestört werden wollen. Wovon müssen die sich überhaupt schonen?! So arbeitsscheu, wie die sind...

Michael: Ja ja, der Mythos vom arbeitsscheuen Ausländer, der dem deutschen Bürger den Arbeitsplatz wegschnappt. 

Alfred: Halt du dich da raus. Du hast die ja schon am Bahnhof mit Champagner und Kaviar empfangen.

Michael: Also erstens waren es Mineralwasser und belegte Brötchen und zweitens bin ich wenigstens nicht so ein Unmensch wie du.

Else: Also da gebe ich Michael Recht. Die Leute haben doch bestimmt großen Hunger und Durst, nach so einer langen Zugfahrt. Vielleicht gab es keinen Speisewagen.

Alfred: Speisewagen, das wäre ja noch schöner. Die sollen erstmal beweisen, dass die hier sein dürfen. Aber unsere Frau Bundeskanzlerin lädt sie ja alle ein. Und am Ende ziehen die nebenan ein und vergreifen sich an unseren Töchtern.

Else: Was?? Aber nebenan wohnt doch Frau Suhrbier.

Rita: Ach, du willst nicht, dass Deutsche mit Ausländern zusammen sind? Ich dachte, die Rückenmassage von der zwanzigjährigen Thailänderin letztens hätte dir so gut gefallen...

 Alfred: RITA!!!

 

Dienstag, 17. November 2015

Mußestunde in der Bäckerei


Es gibt Leute, die sich in Bäckereien einen Tisch reservieren. Das wusste ich nicht. Erst seit jenem Vormittag, an dem ich mich für Kaffee und Käsebrötchen im Sitzbereich einer hiesigen Bäckerei einfand und von meinem Tisch vertrieben wurde, weil er für 11 Uhr reserviert war, weiß ich das. Kurz darauf kamen drei deutsche Omas herein, natürlich waren sie es gewesen, die aufgrund ihres riesigen Bedürfnisses nach Ordnung und Sicherheit die Vorsichtsmaßnahme ergriffen hatten.

Sowieso scheint diese Bäckerei ein sicherer Anker für die Leute der Nachbarschaft zu sein. Quasi ein Stadtteilzentrum des ansonsten toten Viertels. Viele alte Menschen leben hier, auch einige bildungsbürgerliche Familien, die allerdings immer im SUV unterwegs sind und prinzipiell nicht zu Fuß gehen. Man merkt, es existiert ein nicht kleiner Kreis an Stammgästen, der anscheinend täglich die Stunden absitzt. Es ist laut und lebhaft, dicke Männer versuchen sich gegenseitig zu übertönen, jovialen mit den Verkäuferinnen, die mittlerweile resolut mit den zotigen Sprüchen des Altherrenklubs, wie ich ihn nenne, umzugehen wissen.

Wie in einer Eckkneipe ist es hier. Ein Biotop, in dem alles seine Ordnung hat, das man studieren kann, in dem sich manche Dinge niemals ändern, in dem die immer gleichen Geschichten erzählt werden. Nur dass hier keine Spielautomaten hängen, günstiges lokales Bier ausgeschenkt wird und altbackene Rockplatten im Hintergrund dudeln, sondern Torte für die Herzverfettung par excellence serviert wird. Diese Bäckerei ist ein dringend notwendiger Raum für Leute, die wenigstens für ein paar Stunden Ablenkung von ihrer Einsamkeit brauchen. Für Leute, die eine Pause von ihren langjährigen Ehepartnern brauchen. Für Leute, die zu krank oder zu schwach sind, um etwas anderes zu unternehmen.

Man könnte Mitleid bekommen, wenn man beobachtet, wie diese Menschen entweder allein mit leeren Augen vor sich hinstarren oder mit viel Geräusch und Gelächter ihre eigentliche Seelenlage übertünchen. Aber Mitleid bedeutet immer auch, sich auf gewisse Weise zu erheben. Dabei sind diese Menschen keine Opfer, sondern eigenständige Personen, die ihren Lebensweg (hoffentlich) mit erhobenem Kopf gegangen sind.

Vielleicht kann man auch einfach lachen? Ganz ohne Herablassung und Hohn die Skurrilität und Komik gewisser Situationen anerkennen? Wenn beispielsweise der schmerbäuchige Anführer des Altherrenklubs nach einer wortreichen Verdammung der BILD mit darauffolgendem Schwur, sie nie zu kaufen, später heimlich in den Kaiser's nebenan schleicht und neben der Rheinischen Post und einem Päckchen Margarine genau diese kauft? Das ist doch inspirativer Stoff, für eine Charakterstudie oder so.




Sonntag, 8. November 2015

Serdar Somuncu: der Hassias gibt ein Heimspiel




Serdar Somuncus erste Handlung nach Abklingen des frenetischen Begrüßungsapplauses ist, uns 1600 Kackwurstschnüfflern (wie er seine Anhänger liebevoll nennt) zu verbieten, zu fotografieren oder zu filmen. Er wolle nicht, dass auf Youtube aus dem Zusammenhang gerissene Statements, wie zum Beispiel „dass er gern auf Juden abjizzt“ hochgeladen werden und er sich dann mit lästigen Briefen von Juden herumschlagen müsse. Wegen solcher Sprüche sind wir alle gekommen, die Halle ist jetzt schon begeistert.

In den folgenden zwei Stunden feiern wir eine Hassiasmesse (offiziell „H2 Universe“), die sich gewaschen hat. Serdar, der selbst ernannte Führer und Gott seiner Hassistensekte, predigt: jede Minderheit hat das Recht auf Diskriminierung. Wer ihn kennt, weiß von den flächendeckenden und bis ans Limit getriebenen Beleidigungen und Verhöhnungen, die er Schwulen, Juden, Schwarzen, Behinderten, Dicken, Ausländern etc. etc. zukommen lässt. Er dreht auf, regt sich dermaßen übertrieben über Muslime, RTL-Redakteure, Öko-Hipster-Nazis, Kölner, Kosovo-Albaner, Bettler und „Whooo“-Schreier aus dem Publikum auf, dass auch der Letzte erkennen muss, dass Serdar hier eine Karikatur, eine bis zur Übelkeit überzeichneten Parodie eines rassistischen und menschenverachtenden Arschloches inszeniert. Doch hätte Serdar nichts anderes drauf als ordinäre Provokationen, würde er wohl nicht seit 30 Jahren erfolgreich auf der Bühne stehen.

Serdar ist einer der reflektiertesten, skeptischsten, unabhängigsten und mutigsten Künstler, die ich kenne. Er stellt sich unbequeme Fragen, beispielsweise, ob wir nicht doch in tausend Kleinstdiktaturen leben, an denen wir teilhaben, ohne es zu wissen. Ob es okay ist, sich als fettbäuchiger und verwöhnter West-Europäer anzumaßen, über Wohl und Wehe hunderttausender Menschen in Not zu entscheiden. Ob wir nicht doch alle lenkbares Menschenmaterial sind, das sich von multimedialer Dauerberieselung verblenden lässt. Wie es sein kann, dass es im Jahre 2015 immer noch deutschen Rechtsradikalismus gibt. Was wir dafür können, dass Integration scheitert.

Diese Fragen stellt er auch uns, dem Publikum, welches an diesem Abend immer wieder zwischen derbem „Harrharr“-Lachen, nachdenklicher Ernsthaftigkeit und Melancholie schwankt. Serdar bietet eine unvergleichliche Mischung aus Vulgarität, Intellektualität und Tiefe, die er am Schluss mit einem zu Tränen rührenden, selbst geklimperten und gesungenen Gospelsong krönt. Er hat übrigens eine grandiose Soulstimme. Wie passend.



Eine Kostprobe Serdars Redekünste:




Donnerstag, 10. September 2015

Arbeitslager Ich


Der Mensch ist und war immer auf der Suche nach dem guten Leben. Warum bedeutet „das gute Leben“ heutzutage, dass man freiwillig auf die Dinge verzichtet, die das gute Leben ausmachen? Genuss, Spaß, Muße, unvernünftig sein, Nicht-Maß-halten-müssen, Exzess, Emotionalität und viele andere Kostbarkeiten des Lebens sind so unglaublich unbeliebt in unserer Welt des perfektionierten Mittelmaßes.

Ich soll Befriedigung darin finden, mich zu disziplinieren, Verzicht zu üben und selbst- und fremd auferlegte Verbote und Verhaltensregeln einzuhalten. Meine Erfüllung soll darin liegen, meine Fehler und „schlechten“ Angewohnheiten zu erkennen und auszumerzen. Selbstoptimierung für eine perfekte Zukunft, in der nichts schiefgehen darf. In der ich möglichst nicht die Konsequenzen der Vergangenheit tragen soll.

Ungesunde Ernährung? Kein Sport? Rauchen? Geld verschwenden? Zeit verschwenden? Auf die Rente scheißen? Gefühle öffentlich ausleben? Ehrlich sein? Aus dem Affekt heraus eine Dummheit begehen? Alles uncoole Sachen, die den „Täter“ direkt als unreif, undiszipliniert, ungehobelt, egoistisch oder bedenkenlos entlarven. Wer erwachsen ist und mitten im Leben steht, muss doch erkennen, dass nicht jeder kann, wie er will und dass das Leben kein Ponyhof ist und dass man dann schon sehen wird, was man davon hat und so weiter.

Im Grunde sind es doch nur die Zukunftsängste der Menschen, die sie zum Verzicht auf das Einzige, was sie haben (die Gegenwart), bewegen. Sie schicken sich ins Arbeitslager Ich, um jegliches potenzielles Unheil, dass sie in der Zukunft ereilen könnte, so klein wie möglich zu halten. Das Leben mit seinen perfekten Unperfektheiten wird auf später verschoben. Wenn man sich sein ganzes Leben lang kasteit und eingeschränkt hat, hat man sich als Rentner auch mal sein allabendliches Glas Wein verdient. Aber nur dann.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.


Freitag, 17. Juli 2015

80 Millionen Griechenland-"Experten"


Wenn mir eins in letzter Zeit so richtig auf die Nerven geht, dann sind das Leute, die zu jedem Anlass, so unpassend er auch sein mag, ihre Haltung zur Griechenland-Geschichte herausposaunen müssen. Ganz reflektierte und fundierte Expertenmeinungen sind das, und so unglaublich relevant, dass jeder davon Kenntnis nehmen muss, freiwillig oder unfreiwillig.


Es geht auch nicht, keine Meinung zu haben. Man MUSS sich positionieren, egal wie wenig man sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wie dürftig die Politik- und Wirtschaftskenntnisse sind, wie einseitig die Informationen sind , die man über Bekannte und Zeitungsapps erhalten hat. Ist man linkspolitisch, hat man die griechische Regierung zu unterstützen. Steht man eher rechts, hat man die deutsche Regierung zu unterstützen. So einfach ist das. 
Die Meinung an sich reicht aber nicht, man wird dauernd dazu ermutigt, ja fast genötigt, Farbe zu bekennen, in Alltagsgesprächen, beim Friseur, in der FB-Diskussion, über FB-Shares, im Teletextvoting, beim BILD-Referendum. Es reicht schon, D-Promi zu sein, damit ein Griechenland-Zitat von dir abgedruckt wird. Immer hübsch von der Meinungs- und Redefreiheit Gebrauch machen, auch wenn dabei die überflüssigste, verbale Diarrhoe herausgepurzelt kommt, die man sich vorstellen kann. Die natürlich unglaublich viel Einfluss auf die konkreten Entscheidungen der Bundesregierung hat.

Und das Schlimme ist, es findet sich so gut wie immer ein Publikum. Entweder Leute, die die gleiche Position vertreten und sich dann auf dein Statement einen 'runterholen oder eben die Gegenposition, die Zeter und Mordio schreiend auf dich drauf springt.


Ihr werdet zumindest von mir nie wieder was über Griechenland lesen, erst rechts nichts über die Krise an sich, und es wird von meiner Seite aus nie eine „hochbrisante“ Diskussion über das Thema stattfinden. Ich bin froh, wenn ich das Wort „Griechenland-Krise“ nicht mehr tippen muss. Noch schöner wäre es, wenn ich es auch nich mehr (so häufig) lesen müsste.

Donnerstag, 2. Juli 2015

FUCK THE FUCKING HEAT!


Es ist mein verdammtes Recht mich über Hitze zu beklagen, wenn mich diese stark in meinem Lebensalltag beeinträchtigt! Ich lasse mir dieses Recht nicht absprechen von irgendwelchen strunzbiederen Gesellen, die auf Facebook entweder ihre knallroten Schwitzfratzen, ihre Töle oder ihr Traumauto als Profilbild haben und in jedem verdammten Thread über das aktuelle Wetter (ja, ich konnte nicht weglesen) altklug herumtönen:“ In Deutschland wird immer gejammert! Erst freuen sich alle total auf den Sommer und meckern dann, wenn es heiß ist! Mal wieder typisch!!“Als ob der Jahres- ja, Lebenshöhepunkt jedes Deutschen (oder des Menschen im Allgemeinen) der Sommer sei, dessen Qualität ausschließlich von Stärke und Dauer der Hitze abhänge. Als ob es keine Menschen mit Hitzeunverträglichkeit, Sonnenallergie oder Kreislaufbeschwerden (oder gar -erkrankungen) gäbe. Oder keine Menschen, die die kühlen Jahreszeiten 
viel lieber mögen und nie auf den Gedanken kämen, bei Regen über das „Scheiß Wetter“ zu jammern, wie es zwischen Ende September und Ende Mai bei vielen ein obligatorischer Teil des Smalltalks ist. Aber kaltes und bedecktes Wetter scheiße zu finden, das ist salonfähig, da sind sich alle einig.Find ich ja auch vollkommen in Ordnung, dass es Leute gibt, die Hitze besser vertragen als Kälte und umgekehrt. Aber dann als „Spaßbremse“, „Spielverderber“ oder „Meckerliese“ bezeichnet zu werden, wenn man die Hitze als körperlich und psychisch belastend empfindet und das auch mal anmerkt, geht mir gewaltig auf die Nerven. Und das von Leuten, die das restliche Jahr über ihr mediokres, graues, deutsches Einheitsbrei-Leben pflegen und wertschätzen und die dann, sobald das Thermometer die 25°-Marke erreicht, sich wie die größten Connaisseure des Dolce Vita, die Könige des mediterranen Lebensgefühls gebaren. Von euch lasse ich mir nicht meine angebliche deutsche Mecker-Spießigkeit vorführen, von EUCH nicht!